The Town of Light – Test / Review

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The Town of Light

Genre: Abenteuer, Indie
Entwickler: LKA
Publisher: LKA
Plattform: Playstation 4
Altersfreigabe: Ab 18 Jahren
Release: 26.02.2016

Eine wahre Horrorstory

Erst vor ein paar Tagen gab es auf NerdStar.de einen Artikel über das Konsolendebut von Town of Light. Ich hatte dann letzte Woche die Möglichkeit, den Titel selber auf der PS4 zu spielen und mit einer Spieldauer von 3 Stunden, kann man das mal knackig am Abend durch ziehen.

Schockiert und bleibt im Kopf

Es gibt kaum eine geeignetere Location für Horrofilme, als eine Nervenheilanstalt. Doch statt plumpen Horror, erlebst du in The Town of Light, den Aufenthalt in einer der schrecklichsten, historischen Psychiatrien Italiens. Noch nie hat mich ein Spiel, auch noch nach dem Ausschalten der Konsole, so beschäftigt.

Hintergrundwissen

The Town of Light

In dem Komplex waren bis zu 6000 Menschen gleichzeitig untergebracht

Die Psychiatrische Klinik Volterra  (Ospedale Psichiatrico Volterra) in Italien, diente bis zu den späten 1970er Jahren als Einrichtung für geistig erkrankte Menschen. Doch waren die Umstände der Patienten alles andere als förderlich für ihre Heilung und Rehabilitation. Neben barbarischen Behandlungsmethoden, wie der Elektroschock-Therapie oder Lobotomien, wurden die Patienten isoliert und entmündigt. Erst neue Gesetzgebungen führten letztendlich zur Schließung der Klinik. Auf der Seite Dubtown findet man Bilder von der noch Heute leerstehenden Anstalt.

Story

The Town of Light

Eine dunkle Atmosphäre erhöht den Grusel-Faktor

Die 16 Jährige Renée wird Ende der 30er Jahre von der Polizei aus ihrem Elternhaus geholt und in die Psychatrie Volterra eingeliefert. Jahre später, in der Gegenwart, erkundest du mit ihr den Ort, an dem sie einen Großteil ihrer Jugend verbrachte. Du sammelst Tagebucheinträge, medizinische Dokumente und Berichte um heraus zu finden, was wirklich geschah. Dabei werden in Räumen und bei bestimmten Gegenständen immer wieder Erinnerungen eingeblendet, die aus Skizzen bestehen. Renée möchte herausfinden, was wirklich mit ihr geschah.

Gameplay

The Town of Light

Man möchte sich nicht vorstellen, was hier passierte

Wir spielen in der First-Person-Perspektive und starten in einer Art Park. Wir besitzen eine Taschenlampe, mit unendlicher Energie und können nicht springen oder rennen. Es ist also eher ein Walking-Simulator. Renée führt uns mit ihren Monologen immer in die Richtung, die wir gehen sollen. Apropos Monolog, der ein oder andere wird Renées Stimme direkt wieder erkennen – Youtuberin Pandorya gibt Renée die deutsche Stimme. Weiß man nicht, welcher Schritt der nächste sein soll, kann man sich durch drücken auf die Touchpad Taste Hilfestellung geben lassen. Renée sagt einem dann, was als nächstes zu tun ist. So bewegen wir uns durch die wirklich unheimlich wirkende Anstalt. Die Atmosphäre und auch die Geräusche lassen einen immer wieder Jump Scares erwarten, vergeblich. Es gibt keinerlei Schreck-Momente, keine dunklen Gestalten oder Monster, die uns jagen. Lediglich die dunkle Atmosphäre und die Geschichte sind auf dauer verstörend ( Man kennt diesen Effekt z.B. aus „The Ring“). Wir spielen die schrecklichen Erinnerungen von Renée nach. Dabei kann es auch mal wirklich krass werden, wenn man z.B. dem widerlichen Pfleger folgt, der das junge Mädchen dann sexuell missbraucht. Bei dieser Szene wird klar, warum das Spiel eine 18+ vom Jugendschutz bekommen hat.

Wir formen die Geschichte

Renée spricht immer wieder von sich in der dritten Person und wenn wir ihre Krankenakten finden, stellt sie „sich“ Fragen, die wir dann beantworten müssen – So formen wir den Verlauf der Geschichte und spielen so weitere Details heraus. Das Ende wird nicht verändert, aber wir können Zweifel aufkommen lassen, ob das was da drin steht wirklich so war. Sind die Aufzeichnungen oder doch die eigenen Erinnerungen falsch ?
Am Ende werden wir übrigens noch einmal von einer uns bekannten Stimme überrascht, denn auch der liebe Gronkh hat einen kleinen Sprech-Part übernommen.

The Town of LightWeite Wege

Auch wenn sich die Location nicht groß verändert und „nur“ in der Anstalt und ihrer Umgebung umher gelaufen wird, wirken die Wege manchmal sehr weit. Gerade weil man keine „rennen“- Funktion hat wird so manch Strecke sehr langatmig.

Verwirrung macht sich breit

Um so weiter man in die Geschichte eintaucht, desto verwirrender werden Renées Gedankengänge und Ereignisse. Wenn man das Spiel so wie ich komplett in einem durch spielt, kommt Verwirrung auf, aber wenn ich mir vorstelle, man macht mal eine Woche Pause und steigt dann wieder ein, fehlt wahrscheinlich der Faden. Vielleicht hat man sich deshalb auch für diese recht kurze Spieldauer entschieden.

Fazit

The Town of Light

Bizarre Momente mit dunklen Fluren und hellem Licht

Wer ein Horror-Gameplay wie Outlast oder ähnliches erwartet ist bei diesem Spiel definitiv falsch. Wer aber Bock auf Abenteuer, Geschichte und gruselige Momente hat, der ist hier richtig. The Town of Light bietet wirklich schockierende Momente, vor allem darauf begründet, dass man den Hintergrund kennt und weiß, dass es sich nicht um Fiktion, sondern um eine wahre Geschichte handelt. Es gibt immer wieder Augenblicke von denen man einfach genug hat und in denen man will, dass es endlich weiter geht, aber man kann das Spiel einfach nicht aus machen. Man will wissen, wie es weiter geht und was am Ende passiert. Leider fehlten meiner Meinung nach aber auch viele Informationen – Mehr Infos zu anderen Insassen, zu Ärzten und dem Pflegepersonal wären interessant gewesen. Beispielsweise hätte ich gerne andere Krankenakten gelesen um tiefer in die Geschichte der Anstalt einzutauchen. Dennoch muss ich sagen, dass mich noch kein Spiel so mitgenommen hat, wie The Town of Light. Ich hatte wirklich noch lange daran zu knabbern. Schlafen war erst mal nicht.

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6.0 Nichts für schwache Nerven

The Town of Light bietet schockierende und verstörende Momente, gepaart mit dem Einblick in Angstzustände und schwere Depressionen.

  • Grafik 6
  • Gameplay 5
  • Story 7
  • Spielspass 6
  • Wertung (1 Votes) 9.7

Über den Autor

Chefredakteur // Fotograf und Techniknerd || Zocke am liebsten auf der PS4 und dem PC | Schreibe News und Reviews | Kümmere mich um die Organisation und dass dieses großartige Projekt so läuft, wie es das verdient hat.

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