GWENT: The Witcher Card Game – Test / Review

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Genre: Trading Card Game
Entwickler: CD Project, CD Project Red
Publisher: CD Project
Plattform: PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows
Status: Offene Beta

Etwas länger als 2 Jahre ist es nun schon her, dass uns The Witcher 3 in seinen Bann gezogen hat. Wir haben ein gewaltiges Abenteuer an Geralts Seite erleben dürfen, atemberaubende Gegenden erkundet und furchterregende Monster zur Strecke gebracht. Doch vor allem sind wir in jeder Siedlung zuallererst zum nächstbesten Händler gesprintet, um ihn in einem Kartenspiel zu besiegen und unser Deck zu verstärken. Das ging zumindest mir so.

Die Rede ist natürlich von Gwent. Was die meisten als äußerst spaßige (und damals schon für ein Minispiel in The Witcher 3 recht tiefgründige) Nebenbeschäftigung genossen haben, erfreute sich so großer Beliebtheit, dass es nun als eigenständiges Spiel begeistern will und sich bereits seit dem 24.05.17 in der offenen Beta befindet. Doch kann sich das neue Flaggschiff aus dem Hause CD Project von Hearthstone und co. abheben oder ist es nur ein digitales Trading Card Game unter vielen? Wir werfen einen Blick auf GWENT: The Witcher Card Game.

Das Setting

Die dunkle, ernste, aber gleichzeitig sympathische Fantasiewelt, die wir bereits aus den drei Spielen kennen, finden wir genauso in diesem Ableger der Serie wieder. Beinahe alle Karten und deren dazugehörigen Effekte basieren auf bekannten Gesichtern und Monstern aus dem Witcher-Universum und werden durch die jeweiligen Stimmen zum Leben erweckt. Für Fans der Serie ist das definitiv ein Schmankerl, gleichzeitig schmälern fehlende Vorkenntnisse das Spielerlebnis nicht.

Gameplay – Wie funktioniert`s?

Karten kann man in drei Reihen ausspielen: Nahkampf, Fernkampf und Belagerung

Diejenigen, die es noch nicht aus The Witcher 3 kennen, dürften von der einzigartigen Spielweise überrascht werden. In GWENT: The Witcher Card Game geht es nicht etwa darum, dem Gegner die Lebenspunkte abzuziehen, sondern durch aufbauen von Stärke auf der eigenen Seite des Feldes 2 aus 3 Runden zu gewinnen. Doch das ist nicht der einzige Unterschied zu den üblichen Trading Card Games.

Man startet ein Spiel mit 10 Karten in der Hand. Bevor es losgeht, darf man dann nacheinander bis zu drei Karten wieder ins Deck mischen und dafür Neue ziehen. Das Interessante: Während den Runden selber werden (außer durch etwaige Effekte) keine weiteren Karten gezogen. Das führt zu viel Spieltiefe und macht jede einzelne Karte zu einer wichtigen Ressource.

Der Zufall entscheidet, wer beginnt und ab dann legen die Spieler jeweils abwechselnd eine Karte aufs Feld. Es gibt Einheitenkarten, die neben ihrem Effekt auch noch eine gewisse Stärke besitzen und spezielle “Zauberkarten“, welche nach ihrer Wirkung direkt in den Kartenfriedhof verschwinden. Das Ziel ist es nun, durch intelligente Nutzung der Karten und ihrer Effekte mehr Stärkepunkte anzusammeln als der Gegner.

Mit dem „Good Game“ Button kann man den Gegner für ein gutes Spiel belohnen

Eine Runde gilt als beendet, sobald beide Spieler “gepasst“ haben und dadurch nicht mehr in der Lage sind, Karten auszuspielen. Nach der ersten Runde werden nochmal zwei Karten nachgezogen (wobei eine Karte aus der Hand zurückgelegt und neu gezogen werden darf) und der Sieger der letzten Runde beginnt. Sollten nach der zweiten Runde beide Spieler jeweils eine gewonnen haben, gibt es noch eine dritte. Hier wird jedoch nur eine Karte nachgezogen.

Gameplay – Die Deckerstellung

Beim Bau eines neuen Decks muss man sich immer zuerst für eine der fünf Fraktionen im Spiel entscheiden:

Bei diesem Deck stehen Belagerungswaffen im Mittelpunkt

Die Nördlichen Königreiche, Scoia`tael, Monster, Skellige oder Nilfgaard. Jede dieser Gruppierungen kommt mit ihren eigenen Karten, Spielweisen, Stärken und Schwächen daher. Während die aus rebellierenden Elfen und Zwergen bestehenden Scoia`tael zum Beispiel eine dynamische und Hinterhalt-Orientierte Taktik bevorzugen, nutzt das Königreich Nilfgaard unter anderem seine Spione und das Aufdecken von Handkarten um zu siegen. Jeder Fraktion stehen außerdem drei Leader (=Anführer) zur Verfügung, von denen man einen für sein Deck bestimmen muss. Diese besitzen mächtige Effekte und stehen während des Spiels jederzeit zur Verfügung. Die Karten selbst sind aufgeteilt in verschiedene Stufen: Bronze, Silber und Gold. Darauf muss man bei der Deckerstellung achten, denn unter den mindestens 25 Karten eines Decks dürfen nur 4 Gold- und 6 Silberkarten sein. Diese sind nicht zwingend stärker als bronzene Karten, bieten jedoch besonders einzigartige Effekte.

Die Grafik – Wie schaut`s aus?

Geralt, der Protagonist aus The Witcher 3, als Spielkarte

Das generelle Design des Spiels passt sehr gut in das zuvor angesprochene dunkle Witcher-Universum. Die komplett vertonten Karten trumpfen mit (größtenteils) ernsten und sehr detaillierten Zeichnungen und auch die Menüs und das Spielbrett können sich durchaus sehen lassen. Außerdem existiert mittlerweile von jeder Karte eine Premiumversion, welche die animierte Variante darstellt. Die sehen teilweise so genial aus, dass man sich oft dabei ertappt, viel zu lang auf seine bisher ergatterten “Schätze“ zu starren.

Free 2 Play oder Pay 2 Win?

Kartenfässer kauft man bei „Shoop“, dem Shop-Troll

Erz, Scrap (=Schrott) und Meteoritenstaub stellen die drei Währungen im Spiel dar. Erze werden dafür verwendet, neue Kartenfässer zu kaufen. Mit Scrap kann man sich fehlende Karten selber basteln und der Meteoritenstaub erlaubt es, Karten in ihre jeweilige Premiumversion zu verwandeln. Alle drei Ressourcen können durch das Gewinnen von Duellen und dem Steigen von Level und Rang im Multiplayer verdient werden.

Natürlich ist es ebenfalls möglich, Erz und Staub durch Echtgeld zu erwerben (von irgendetwas muss ein ansonsten kostenloses Spiel ja leben), jedoch bringt das neben mehr und schickeren Karten keinen weiteren Vorteil. Das Belohnungssystem ist außerdem so großzügig gestaltet, dass man auch ohne Geld auszugeben recht schnell ein wirklich gutes Deck bauen kann.

Darüber hinaus unterstützt die besondere Herangehensweise an das Öffnen von Kartenfässern Free to Play Spieler noch weiter. Bei der finalen fünften Karte eines Fasses darf man nämlich eine aus drei garantiert selteneren Karten wählen. So ist die Chance auf Karten für die gewünschte Fraktion höher und nur selten wird man durch gute, aber für einen selbst nutzlose, Karten frustriert.

Fazit

Es ist kein Wunder, dass es bereits in der geschlossenen Beta des Spiels ein Turnier gab, bei dem insgesamt $100.000 zu gewinnen waren. GWENT: The Witcher Card Game fühlt sich an wie seine Rohversion in The Witcher 3, nur um einiges größer. Während viele Aspekte vertieft, verbessert und hinzugefügt worden sind, wurde der Kern des Spiels beibehalten. Mit dem Balancing der Karten gab es in der Closed Beta noch so manche Probleme, doch das hat der Open Beta Patch um Längen verbessert und es wird vermutlich noch besser werden, je näher das Spiel dem offiziellen Releasedatum kommt. Es macht Spaß, sieht gut aus und besticht mit seiner einzigartigen Spielweise, die zu überraschend spannenden und komplexen Runden führen kann. Anzumerken ist, dass es, wie schon The Witcher 3, einen Account bei GOG zum Spielen benötigt und den GOG Galaxy Launcher verwendet. Bei mir hat es Hearthstone schon von seinem Platz als Kartenspiel verdrängt. Die Zukunft wird zeigen, ob es noch genug weitere Spieler abholen kann, aber das Potenzial dazu hat es allemal.

Zum Siegeszug des Franchise wird sicher auch die „The Witcher“ Serie auf Netflix beitragen.

Wenn ihr noch ein bisschen mehr von GWENT: The Witcher Card Game sehen wollt, dann habt ihr Glück! Heute Abend ab 20:00 Uhr werden wir es zwei Stunden während des Freitagsstreams vorstellen und zocken auf https://www.twitch.tv/nerdstartv.

Solltet ihr jetzt neugierig geworden seid, könnt ihr das Spiel auch sofort unter dem folgenden Link runterladen und Teil der offenen Beta werden: https://www.playgwent.com/de.

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8.8 Sehr gut

GWENT: The Witcher Card Game kommt mit viel Potential daher und sticht durch seine Spielweise aus dem Einheitsbrei der Trading Card Games hervor. Wer Fan der Serie, von Kartenspielen oder möglicherweise sogar beidem ist, sollte definitiv einen Blick auf das Game werfen!

  • Gameplay 9
  • Atmosphäre (Grafik & Sound) 9
  • Balancing 8
  • Spielspaß insgesamt 9
  • Wertung (3 Votes) 8.3

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