Get Even – Test / Review

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Genre: Stealth-Schooter/Horror
Entwickler: The Farm 51
Publisher: BANDAI NAMCO Entertainment
Plattform: PC, PS4, XBOX One
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren
Release: 21.05.2017

Manchmal würden wir wirklich gerne Mäuschen spielen, wenn Spiele gepitcht werden. Im Fall von Get Even muss das ein ziemlich absurdes Gespräch gewesen sein.

Person 1: „Ich habe ne tolle Idee! Wir machen ein Spiel, halb Asylum-Horror, halb Stealth-Schooter und halb Crime-Walking-Simulator.“
Person 2: „Das macht aber 1 ½ Spiele?!“
Person 1: „…….“

Die Story

Get Even

Wir haben nicht mehr viel Zeit…

Cole Black, seines Zeichens Sicherheitschef eines Waffenherstellers, erwacht in einer Nervenklinik. Alles, woran er sich erinnern kann ist, dass er die Tochter seines Arbeitgebers aus den Fängen von Entführern retten wollte. Per Bildschirmbotschaften wird ihm mitgeteilt, dass etwas bei diesem Rettungsversuch schief gelaufen ist. Black wird gezwungen, mit Hilfe einer experimentellen Technologie seine Erinnerungen wiederzuerlangen, um den Umständen auf den Grund zu gehen. Ausgerüstet mit dem abgefahrendsten Smartphone der Welt, komplett mit Scanner, UV-Licht, Thermalsicht und Echtzeit-Landkarte, machen wir uns also als Cole Black auf die Suche nach unserer Vergangenheit.

Das ist natürlich nur der Anfang der Reise und tatsächlich verbirgt sich hinter der Story von Get Even weitaus mehr, was wir jedoch an dieser Stelle nicht spoilern wollen, da es sich durchaus lohnt, selbst hinter die Geheimnisse von Cole und seiner Rolle zu kommen. Nur soviel: Im Laufe des Spiels werden mehr Fragen gestellt als beantwortet und auch essentielle philosophische Themen werden nicht gescheut.

Das Gameplay

Get Even

Eine neue Generation von Hightech Handy

Es ist schon eine wilde Mischung, die uns da vorgesetzt wird. Survival-Horror-Elemente wechseln sich mit Stealth-Squenzen und guter alter Polizeiarbeit ab. Während wir Level um Level erkunden, sammeln wir Hinweise auf die Abläufe, die Cole in seine derzeitige Lage gebracht haben. Dabei müssen nicht nur Dokumente, wie Fotos, Karten oder Notizen, gefunden werden. Auch der Scanner kommt gern und viel zum Einsatz, um Fingerabdrücke, DNA oder andere wichtige Daten zu analysieren. Diese Spurensuche ist extrem spannend und man kann sich kaum bremsen bei dem Versuch, wirklich jeden noch so kleinen Hinweis zu finden, wäre da nicht…

Ja, wäre da nicht die Tatsache, dass vor allem die Schootereinlagen etwas flach daherkommen. Es ist zwar toll, dass hier versucht wurde, das Survival-Feeling etwas aufzulockern, indem man eine Knarre in die Hand gedrückt bekommt. Leider ist die Handhabung oft etwas ungenau und die Fähigkeit der Gegner, selbst über das gesamte Level hinweg mit geradezu gottgleicher Präzision zu schießen, während man selbst eher einen arthritischen Schimpansen mit Sehschwäche mimt, frustriert dann doch auf Dauer.

Die Grafik

Get Even

Selbst draußen hat man ein ungutes Gefühl.

Auch hier fällt das Urteil eher durchwachsen aus. Das Design der Spielwelt ist ganz großes Kino. Die Umgebungen wirken angemessen klaustrophobisch, selbst in den Außenregionen. Die Mischung aus Industriekomplexen, leerstehenden Ruinen, einem verfallenem Asylum und dem High-Tec Spielzeug, das wir mit uns rumtragen funktioniert erstaunlich gut und vermittelt ein Gefühl der Einzigartigkeit, das vielen anderen Spielen bedauerlicher Weise abgeht. Die einzelnen Bereiche sind komplex und bieten jede Menge Möglichkeiten, um sich zu verlaufen oder kleine Nischen und abseitige Geheimnisse zu entdecken. Dummerweise ist die Qualität der Darstellung nur eher so mittel prickelnd. Selbst auf höchsten Einstellungen ist alles etwas verwaschen, körnig und alles in allem durchschnittlich. Dafür läuft das Spiel aber natürlich auch wie ein Biest und hat keinerlei Probleme mit Framerates oder sonstigem.

Der Sound

Was bei der Grafik fehlt, wurde beim Sounddesign mehr als wett gemacht. Der Soundtrack ist einfach perfekt. Beklemmend und düster begleitet er uns, während den diversen Entdeckungstouren durch die Welt und mehr als einmal bekommt man den Eindruck, weniger in eine Spielumgebung, als in einen lebendigen Organismus einzutauchen. Großes Lob an dieser Stelle auch für das Voiceacting. Die Sprecher, allesamt mit einem derart dicken britischen Akzent, dass man ihn sich locker aufs Brot schmieren könnte, geben alles und punkten auf ganzer Linie. Wir sind froh, dass diesmal auf eine Lokalisierung verzichtet wurde und raten allen, die halbwegs sattelfest in Englisch sind, die Untertitel auszuschalten, damit man sich ganz auf die Dialoge konzentrieren kann, ohne vom lästigen Lesen abgelenkt zu werden.

Fazit

Trotz der oben genannten Mängel fühlt sich Get Even einfach „richtig“ an. Man spürt den Aufwand, die Begeisterung und die Kreativität der Entwickler an jedem Detail und daher sind wir mehr als bereit, kleine Eintrübungen in dieser Perle hinzunehmen. Immerhin war es ein extrem ambitioniertes Projekt und da kann nunmal nicht alles 100% glatt laufen. Gerade für die unter Euch, die ein bisschen mehr von ihrem Spiel erwarten als hirnloses Rumgeballer oder die heillose Flucht vor unbezwingbaren Gegnern, ist dieser Titel aber uneingeschränkt zu empfehlen.

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8.3 Uneingeschränkt zu empfehlen
  • Grafik 6
  • Gameplay 7
  • Story 10
  • Spielspass 10
  • Wertung (2 Votes) 7.3

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