FIFA 17 – Test / Review

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FIFA 17 im ReviewGenre: Sport-Simulation
Entwickler: EA Sports
Publisher: Electronic Arts
Plattform: PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox 360, Xbox One
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Release: 29.09.2016
Herzlich Willkommen, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Ich freue mich sehr, Sie heute in der NerdStar-Arena begrüßen zu dürfen. Es spielt FIFA 17 gegen die jedes Jahr wieder kommenden Vorwürfe nur ein Update zum Vollpreis zu sein. Die Fanlager beider Seiten haben schon vor der eigentlichen Begegnung mächtig Stimmung gemacht und genau diese Stimmung will tiefer analysiert werden. Mein Name ist Jan Gedo, und ich werde dieses hoffentlich spannende Spiel nun für sie kommentieren. Der Anstoß für den Test müsste nun jeden Moment erfolgen… uuund da ist er auch schon.

Neuerfindung oder altes Leder?

Der Schiri pfeift. Ich … erst mal nicht. Zumindest nicht aufgrund der ganzen Neuerungen die mir direkt ins Auge grätschen. Los geht FIFA 17 mit der obligatorischen und bedeutungsschwangeren Premier League Partie, wohl um einen imposanten Auftakt zu bieten. Da in dieser ersten Partie der Schwierigkeitsgrad eindeutig auf das Aha-Erlebnis des Neulings ausgelegt zu sein scheint, hatte ich als alter Veteran genug Zeit um neben dem verdienten 3:0 auch schon einige Eindrücke zu gewinnen. Als Spieler von FIFA 16 läuft die Kugel sofort rund, ein Quantensprung geschweige denn eine Neuerfindung ist der neue EA Sports Kicker sicher mal wieder nicht, das wird gleich klar.

fifa17-2016-10-20-13-17-56-612Never touch a running system – könnte man sagen – oder aber genau so gut, wütend an der Seitenlinie auf und ab laufen. Geschmacksache. Am deutlichsten fallen die neuen Standardsituationen auf, bei Eckbällen z.B. wird nun ein kleines Fadenkreuz angezeigt, mit dem eine grobe Richtung für den Ball angepeilt werden kann, ein echter Veteran schaltet sowas natürlich sofort aus.

Als Elfmeterschütze kann man nun nicht nur Schussstärke- und Winkel sondern auch den Anlauf beeinflussen, eine sehr angenehme und interessante Neuerung, die so manchen Torwart in Zukunft in seinen Controller beißen lassen dürfte. Spezialbewegungen wie Übersteiger und komplexe Dribblings sind etwas entschärft worden, ansonsten hat sich an dem ohnehin schon wunderbaren Offensivspiel nicht viel getan.
Das viel bemängelte zu konsequente Abwehrspiel wurde genau wie die Spezialbewegungen entschärft, Verteidiger machen nun öfters Fehler und stellen sich nicht einfach einem Messi in den Weg, nein meist läuft er einfach vorbei der Messi, so wie sich das gehört.

FIFA hat sich nicht groß verändert, kennt man ja. Ich persönlich mochte das Spielgefühl von FIFA 16, deshalb freue ich mich irgendwie sogar darüber, dass die Marke sich treu bleibt und nicht zu viel in Sachen Gameplay riskiert und quasi ein FIFA 16 plus ist. Wobei FIFA 16 schon ein FIFA 15 plus war. Im Endeffekt ist FIFA 17 ein FIFA 99 plus-plus-plus-plus-plu – aaach ihr wisst schon was ich meine, fest steht, Quantensprünge gibt es bei einem jährlich erscheinenden Titel einfach nicht.
Dass EA Sports seine Erfolgsmarke noch mal komplett durch rotiert ist auch ungefähr so wahrscheinlich wie ein Meistertitel für Schalke.

Reise, Reise

The Journey, was ist The Journey? Übersetzt bedeutet Journey Reise, und das trifft es auch sehr gut. Mal ganz was neues. FIFA mit Storymodus, klingt gut, ja.
Macht skeptisch? Darfs. Skepsis berechtigt? Fast gar nicht. In The Journey begleiten wir den jungen Alex Hunter auf seiner Reise auf den Fußballolymp oder möglicherweise auch hinter das DJ-Pult in der Vereinskneipe. Nicht nur durch Alex‘ Leistungen auf dem Platz, sondern auch durch ein RPG-artiges Dialogsystem und die dadurch getroffenen Aussagen wird die Karriere des Nachwuchstalents beeinflusst.

fifa-17-the-journeyIn etwa 5 Stunden Zeit, die ich mit The Journey hatte, wurde Alex nach einem grandiosen Probetraining bei Liverpool unter Vertrag genommen, zufällig auch der Verein bei dem Opa Hunter schon in den 60ern spielte. Vermutlich war der alte Herr einst bei jedem Premier League Verein unter Vertrag, einfach nur damit sein Enkel im fernen 2017 einmal in seine Fußstapfen treten kann. Hier wird schon ein bisschen zu deutlich, dass die Entwickler bestimmte Dinge nicht dem Zufall überlassen. Schade eigentlich, ich hätte gern die Wahl gehabt mich für oder gegen Opa Hunters Fußstapfen zu entscheiden. Erzwungener Pathos ist unschöner Pathos. Das aber nur am Rande. Voller Erwartungen und Tatendrang geht es also bei Liverpool ans Werk, Alex erlebt den schroffen Ton des Co-Trainers, übrigens eine fantastische Karrikatur englischer Fußballkultur, der ihn gleich darauf hinweist, dass Mr Jürgen Klopp keine Zeit hat mit einem Youngster wie ihm zu sprechen. Zu diesem Zeitpunkt wird der Druck der auf jungen Spielern lastet tatsächlich ziemlich deutlich, es kommt zu Reibereien zwischen Alex und seinem Jugendfreund Gareth Walker, der zufällig auch bei Liverpool unter Vertrag genommen wurde… Pathos… Pathos…

Mittelmäßige Leistungen sorgen dann für ein unangenehmes Gespräch mit Co-Trainer Butler, das im Endeffekt in eine Ausleihe nach Newcastle mündet. Zweite Liga, das geht einem Alex Hunter natürlich gegen den Strich, doch nach kurzer Zeit wird auch wieder ziemlich deutlich, dass die Leihe für alle Beteiligten und vor Allem für Alex selbst das beste ist. Pathos…. Hach… Pathos.
Analytisch betrachtet ist die Reise des jungen Alex Hunter ziemlich aufgesetzt und in vielen Punkten nur pseudo-Dynamisch. Allerdings ist diese etwas plumpe Überzeichnung auch verdammt unterhaltsam und die Möglichkeit Geschichten durch eigene Leistungen zu beeinflussen definitiv gegeben. Ich hab Bock auf die virtuelle Fußballprofi-Soap und eigentlich ist es mir egal, wie viel von der Story geplant ist, solange sie mich unterhält und das tut sie bisher ziemlich gut.

„Was zählt is aufm Platz!“

Wo wir vorhin schon beim Quantensprung waren, in Sachen Technik hat EA da wirklich einen angekündigt. Man kennt das, kaum stößt ein junger motivierter Mittelfeldmotor zum Kader, steigt der FC Thekenteam 98 in die 15. Bezirkshobbyliga auf. FIFA stellt ab dieser Saison die aus zahlreichen Battlefield-Titeln berühmt berüchtigte Frostbite-Engine in sein zentrales Mittelfeld. Dass so ein Kriegsveteran im Mittelfeld vielleicht gar keine schlechte Idee ist, zeigt sich am deutlichsten, wenn die Kamera näher heran fährt. Fans tragen auch mal was anderes als das aktuelle Heimtrikot, sie sitzen nicht starr und zweidimensional auf ihren zweidimensionalen Stühlen und halten pappige Pappen aus Pappe in die Luft, sondern feiern, tanzen, singen und springen, so als hätte Werder Bremen mal wieder knapp den Abstieg verhindert. Auch den Spielern sieht man an, was sie vom Spiel und ihrer Leistung halten.

fifa17-2016-10-20-13-22-33-552Da ist aber auch schon ein großer Kritikpunkt. Zlatan Ibrahmovic lächelt ja wohl nur, wenn er selbst einen Witz gemacht hat. Und er kann schon aus physiologischen Gründen nicht das Tor verfehlen und schon lange nicht danach betreten zu Boden blicken. Nachbessern EA!
FIFA 17 blutet Atmosphäre. So sehr, dass es manchmal ein wenig lächerlich wirkt. Hey ein Abstoß. Wie ungewöhnlich. Das muss zelebriert werden!
Gesichter die man kennen kann, kann man überwiegend sogar erkennen, manche Stars sind schon gruselig nah am Original. Wer sich allerdings abseits der Premier League bewegt, sieht auch hin und wieder ein Gesichtsgulasch, gegen das ich als Fußballprofi durchaus juristisch vorzugehen gedächte.
Trotzdem ist das Spiel in Sachen Atmosphäre noch mal ein bisschen glaubwürdiger geworden.

Das rechtfertigt aber noch nicht den angekündigten Quantensprung, den muss man leider auch suchen wie die Lücke in einer italienischen Abwehrkette.
Frostbite hin, Frostbite her, FIFA wird überwiegend mit der TV-Kamera gespielt und dort sind die hübschen neuen Details praktisch gar nicht zu erkennen. Auch technisch ist FIFA 17 nur ein FIFA 16 Plus. Das macht es keinen Deut hässlicher als es ist, nein ich will hier auch keine missverständliche Aussage treffen, das neue FIFA ist hübsch, sehr hübsch aber einfach auch kein technischer Quantensprung.

Ja, jetzt könnte man von FIFA 17 sogar leben… crazy!

Wie jedes Jahr wird FIFA 17 wieder für zerstörte Gaming-Peripherie sorgen, das ist schon mal garantiert. Da so viel zerbrochener Kunststoff auch irgendwie finanziert werden muss, gibt es nun für alle Freunde von FIFA Ultimate Team einen Rechtfertigungsgrund für ihr offensichtliches Suchtverhalten.
Im Champions getauften neuen Spielmodus könnt ihr täglich kleinere Turniere absolvieren und euch bei entsprechendem Einsatz und Leistung einen Platz bei der FIFA 17 Ultimate Team Championship sichern. Dem Sieger des Turniers winken dann insgesamt 1,3 Millionen Dollar.
Nimm das Mama, gibst du nun Ruhe? Und neeein ich kann jetzt keine Pause machen, das ist Online!

Das Fazit

fifa17-2016-10-20-13-21-23-433Also Vorweg: FIFA lebt. Sie haben es nicht kaputt gemacht, sie haben es nicht verschlimmbessert. Das Gameplay ist bis auf sinnvolle Detailänderungen unangetastet geblieben und auch die Technik trotz neuer Engine keine Offenbarung. The Journey hat mich, von offensichtlichen Schwächen mal abgesehen, absolut überzeugt und es wäre schön, wenn der Modus noch weiter ausgebaut würde.

Nun aber zu dem alten Konflikt der jedes Jahr auf Neue wieder Derby-Stimmung unter FIFA-Fans
auslöst. Die uralte Frage, nun kommt sie: Lohnt es sich, so viel Geld für ein Update auszugeben?
Gegenfrage: Ist Christiano Ronaldo eine Milliarde Dollar wert? Beantwortet es euch selbst.

So und jetzt… Duschen!

8.3 NICE JOURNEY!

Hübsch, auf der Höhe der Zeit und mit sinnvollen Neuerungen, bleibt FIFA 17 reine Geschmacksache und kann sich auch diesmal nicht deutlich von der Konkurrenz absetzen. Das macht das Spiel keinesfalls schlechter. Ob ein jährlicher Aufguss den Vollpreis wert ist, muss am Ende wohl jeder selbst entscheiden. FIFA 17 bleibt auf jeden Fall - wie die Vorgänger - das umfangreichste und technisch beste Fußball-Game auf dem Markt.

  • GAMEPLAY 9
  • GRAFIK 8.
  • SOUND 8
  • UMFANG 8
  • MULTIPLAYER 8
  • SINGLEPLAYER 9
  • Wertung (2 Votes) 7.5

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