Assassins Creed Syndicate – Test / Review

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Assassins Creed Syndicate im ReviewGenre: Action-Adventure
Entwickler: Ubisoft Quebec
Publisher: Ubisoft
Plattform: PC, PlayStation 4, Xbox One
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren
Release: 19.11.2015
Ich muss gestehen, dass mir nach dem Debakel von Assassins Creed Unity Angst und Bange war den Nachfolger zu spielen. Schon wieder ein Setting, welches ich wahrhaft grandios finde. Das viktorianische London! Ihr wisst ja, dass ist die Zeit von Jack the Ripper oder Sherlock Holmes – eins fiktiver als das andere – das Zeitalter in dem Imperialismus und Technologie ganz groß geschrieben wird. Eine industrielle Revolution steht bevor und wir sind als Assassine mittendrin. Meine Aufregung ist kaum zu bändigen. Doch dann stellte sich mir, trotz erneuter Vorfreude, die alles entscheidende Frage: Hat Ubisoft bei Assassins Creed Syndicate schon wieder verkackt?

Die Storyline

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Bandenkriege gehören im industriellen Zeitalter Londons zur Tagesordnung

London schreibt das Jahr 1868. Der technologische Vorsprung Großbritanniens äußert sich durch zigtausend Fabriken, die wie Pilze aus dem Boden sprießen. Königin Victoria sitzt auf dem Thron und wir beobachten den Beginn der Ära des Imperialismus.
Doch nicht zuletzt haben auch hier wieder so einige Templer ihre Finger im Spiel, denn die englische Hauptstadt ist bereits seit mehreren hundert Jahren in den Händen des Ordens. Vor allem der neugewählte Großmeister und Oberschurke Crawford Starrick treibt sein Unwesen auf höchstem Niveau. Er steht kurz davor, mit Hilfe von Machtfülle in der Gesellschaft und der gewaltbereiten Schlägertruppe »Blighters« die Menschheit zu tyrannisieren.

Da kommen die Assassinen-Zwillinge Evie und Jacob Frye ins Spiel: Auf irgendeine Art und Weise will das Duo dasselbe Ziel erreichen – und zwar dem Templerorden die Stirn bieten – aber anstelle einer florierenden Zusammenarbeit verfolgt jeder der Beiden eine jeweils andere Intention.
Während Evie darauf bedacht ist die Relikte der Tempelritter zu beschaffen, versucht ihr Bruder Jacob, London aus den Fängen ebendieser zu befreien.

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Charles Darwin gehört auch zu einer historischen Persönlichkeit im Spiel

Die Geschichte in Assassins Creed Syndicate ist so elementar, dass sie einem irgendwie lächerlich vorkommt. Wir decken in diesem Teil nämlich zur Abwechslung mal keine politisch komplexen Intrigen auf oder versuchen unseren Rachedurst zu stillen. Hier wollen zwei Geschwister lediglich das Erbe ihres Vaters bestmöglich fortführen und die Menschheit vom Einfluss der Templer befreien.

Mit Hilfe von allerlei Persönlichkeiten aus der spielbaren Epoche machen wir dem Orden de facto die Hölle heiß. Erfinder Alexander Graham Bell repariert den erstandenen Enterhaken, Inspektor Frederick Abberline kämpft mit uns gegen die Tempelritter und zusammen mit Karl Marx setzen wir uns für die Arbeiterklasse ein.

Das Gameplay

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Wir können uns jede beliebige Kutsche schnappen und London erkunden

Ich weiss überhaupt nicht, wo ich zuerst anfangen soll. Alles was in Sachen Gameplay beim Vorgänger absolut falsch lief, haben die Entwickler von Assassins Creed Syndicate tadellos gemeistert. Trotzdem ist auch dieser Teil keinesfalls fehlerfrei und weist die ein oder andere Unebenheit auf.

Zunächst sei in jedem Fall gesagt: Wir können wahllos zwischen Evie und Jacob hin und her wechseln. Diese Funktion ist zwar etwas liebloser gestaltet als in GTA V, mir hingegen gefällt die Simplizität besser. Es ist denkbar, dass sogar bewusst auf zusätzliche Effekte verzichtet wurde.
Abgesehen vom Charakterwechsel haben wir im Menü ebenfalls die Möglichkeit, unsere Fähigkeiten genauer unter die Lupe zu nehmen. Jeder Zwilling hat seinen eigenen Skillbaum. Bis auf drei unterschiedliche Talente ist der bei beiden leider komplett identisch. Das heißt, wer gehofft hat, man könne die Protagonisten komplett individuell skillen, hat hier falsch gelegen. Da ich zwischendurch den Charakter immer gerne wechselte, verteilte ich die Fähigkeiten einfach gleich.

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Protagonistin Evie Frye hangelt sich mittels Enterhaken von Gebäude zu Gebäude

Während des Spielverlaufs sammeln wir in Assassins Creed Syndicate unterschiedliche Materialien. Diese lassen sich im Menü zu Waffen und Ausrüstungsgegenständen verarbeiten oder in Fähigkeitspunkte der Gang investieren. Beide Features gab es in der Vergangenheit bereits.

Aus der Vergangenheit gelernt

Das Parkour-System funktioniert, ebenso wie das überarbeitete Kampfsystem, bis auf ein paar Kleinigkeiten vergleichsweise okay. Endlich bleiben wir nicht mehr an jeder Ecke und Kante hängen. Dennoch fühlt sich die Steuerung keineswegs rund an. So wie man es im inzwischen neunten Ableger der Assassinen-Reihe erwarten würde.
Ebenfalls ein Negativpunkt: Entwickler und Publisher Ubisoft hat auf einen freien Sprung verzichtet – das bedeutet, dass wir nicht nach Lust und Laune von den Dächern springen können. Dem Spielspaß tut das zwar keinerlei Abbruch, ist in erster Linie allerdings etwas gewöhnungsbedürftig. Uns bleibt nur noch ein gesteuertes Herunterklettern. Dafür haben wir jetzt, dank Alexander Graham Bell, unseren epischen Kletterhaken – wozu also die Mühe machen und aus eigener Kraft die Gebäude erklimmen?

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Mit Ringkämpfen, an düsteren Schauplätzen, lässt sich einfaches Geld verdienen

Absolut begeistert hat mich das überarbeitete Kampfsystem. Offensive Attacken werden als Combopunkte gesammelt – je mehr Punkte wir haben umso kraftvoller wird ein Angriff. Misslingt uns die Parade eines Gegenangriffs, wird der Zähler wieder auf Null gesetzt. Dieses System hat zur Folge, dass sich Kämpfe im Handumdrehen bewältigen lassen.
Damit die beiden Hauptcharaktere Evie und Jacob vermutlich nicht komplett an Langeweile zerschellen, hat man ihnen immerhin unterschiedliche Waffen gegeben. Jacob ist eher der Draufgänger. Deshalb schlägt er die Widersacher lieber mit einem Schlagring zu Boden und bewegt sich allgemein etwas ungeschliffener als seine Schwester. Die Fortbewegung von Evie ist weitaus galanter. Um ihre Gegner dem Erdboden gleichzumachen bevorzugt sie eine Art Schlagstock mit integriertem Dolch. Beide haben aber nach wie vor die versteckte Klinge, um Attentate auszuführen.

Die Grafik

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Grafikunterschied zwischen Playstation 4 und PC Quelle: pcgames.de

In puncto Grafik hat das kanadische Entwicklerstudio in Assassins Creed Syndicate einen Gang zurückgeschraubt. Wo es beim Vorgänger noch überfüllte Straßen und zigtausend offene Fenster gab, erwartet uns in London eine weitaus überschaubarere Version der britischen Hauptstadt. Natürlich nach wie vor weiträumig, detailreich und atemberaubend
Durch die Einbußen in der visuellen Darstellung punktet die Performance umso mehr. Man wollte vermutlich nicht an denselben Fehlern wie in Assassins Creed Unity scheitern. Denn wo Paris noch Probleme machte, verhält sich London, mit Ausnahme ein paar unbeträchtlicher Glitches, auch auf höchster Grafikeinstellung überaus rund.

Trotz weniger detailgetreuer Lichteffekte weist der insgesamt neunte Teil der Assassinen-Reihe, eine beispiellose Atmosphäre auf. Sobald wir den Blick über die Themse schweifen lassen, ist die heruntergeschraubte Grafik vergessen.

Assassins Creed Syndicate von Ubisoft im Test

Eine überaus atemberaubende Grafik erwartet uns auch in Assassins Creed Syndicate

Im Endeffekt geht es auch nicht darum, wie detailgenau die Wolken am Horizont sind oder wie realistisch das Ziffernblatt des Big Bens dargestellt wurde. Vielmehr beeindruckt mich das überwältigende Ambiente einer Stadt. Und hier bekommt Assassins Creed Syndicate die komplette Punktzahl. Ein düsteres Whitechapel, ein Fabriken lastiges Southwark und ein dekadentes Westminster erwarten uns in ihrer vollen Pracht.

Das Fazit

Fassen wir mal zusammen: Der Plot ist eher mäßig, die Grafik musste unter einer besseren Performance leiden und das Gameplay ist nach dem neunten Teil immer noch nicht so rund, wie man es sich erhofft.

Trotzdem gehört Assassins Creed Syndicate, meiner Meinung nach, mit zu den besten Teilen dieser Serie. Warum? Es fühlt sich nach Assassins Creed Unity einfach wieder vollauf richtig an. Das Spielgefühl ist einfach perfekt und man ist gewillt auch die kleinste Nebenaufgabe zu bewältigen. Ob mir deshalb die Blätter im Hyde Park nicht ganz so detailbesessen dargestellt werden ist nicht mehr von Belang. Das Einzige was mich in meiner Wertung etwas abbremst, ist die flache Geschichte rund um Jacob und Evie Frye. Dadurch ist es leider kein vollkommenes Assassins Creed, aber dafür schon sehr nah dran.


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Checkt auch meinen Rage zu Assassins Creed Unity!

7.0 Awesome

Wieder mal ein guter Assassins Creed-Teil in fantastischer Atmosphäre!

  • Grafik 8
  • Gameplay 7
  • Story 5
  • Spielspaß 8
  • Wertung (1 Votes) 7.5

Über den Autor

Schreibt Reviews und News im Gaming-Bereich | Prozessor: Intel Core i5 4670K, Grafikkarte: NVidia GeForce GTX 970, Arbeitsspeicher: 8 GB DDR3

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