Anno 2205 – Test / Review

0
Anno 2205 im ReviewGenre: Strategie, Aufbaustrategie
Entwickler: Blue Byte Studio GmbH
Publisher: Ubisoft
Plattform: PC
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Release: 03.11.2015

Die Anno-Reihe hat mich von klein auf begleitet. Somit blieb es natürlich nicht aus, dass sich jeder einzelne Teil dieser Aufbaustrategiespielreihe durch mein Leben zog.
Nachdem Ubisoft mit Anno 2070 im Jahr 2011 bereits einen Teil in der Zukunft realisierte, folgte vier Jahre später ein weiteres Setting, welches 135 Jahre nach dem fünften Ableger der Anno-Reihe angesiedelt wurde. Des weiteren kündigte Publisher Ubisoft in verschiedenen Gameplay-Trailern ein absolut neues Gameplay für das bisher relativ Innovationslose, aber runde Anno an.

Was genau hat sich bei Anno 2205 am Gameplay geändert? Bin ich immer noch so angetan von der Aufbaustrategiespielreihe wie zuvor? Warum ändert Ubisoft auf einmal das komplette Gameplay und in wie fern hebt sich die Spielatmosphäre von den älteren Teilen ab?

Die Storyline

Anno 2205 von Ubisoft im Test

Wer auf eine packende und mitreissende Story hofft, ist bei Anno 2205 leider fehl am Platz

Was für eine packende Story erwartet man in einem Aufbaustrategiespiel? In Anno 2205 spielen wir einen von insgesamt sechs Konzernen und versuchen bei dem Rennen um die Fusions-Energie ganz vorne mitzuspielen. Fortschritt, Energiekrise und Mondbesiedelung sind hier die Schlagwörter, die uns das ganze Spiel über begleiten. Durch das Erlangen von Erfolgen steigen wir in unserem Rang und kommen somit dem Mondlizensierungsprogramm (wer kann das 3 Mal schnell hintereinander sagen?) immer einem Schritt näher.

Zunächst klingt das nach einem Haufen Spaß, doch hier stehen wir an dem Punkt weshalb Anno 2205 gar nicht mehr so Anno ist: Der Wettbewerb fehlt vorerst. Wir hausen alleine auf unserer Karte mit etwa 3 Inseln, die wir nach Lust und Laune besiedeln können. Wo sind die anderen fünf Mitstreiter? Die vergnügen sich währenddessen auf den anderen Zonen in einem jeweils anderen Sektor. Wollen wir zusätzlich zu unserem Sektor einen weiteren übernehmen und diesen somit einem Mitspieler streitig machen, brauchen wir sehr viel Geduld und noch viel mehr Geld.

Das Gameplay

Anno 2205 von Ubisoft im Test

Am Anfang des Spiels können wir uns zwischen einem von drei Startsektoren entscheiden

Das Gameplay selbst ist simpel wie eh und je, denn auch in Anno 2205 sammeln wir fleißig Ressourcen um eine Stadt zu errichten. Wir treiben Handel, führen Krieg und sorgen dafür, dass unsere Einwohner zufrieden sind. An dem Grundprinzip hat sich auch in diesem Ableger der beliebten Spiele-Reihe nicht viel getan. Trotzdem ist das Spielgefühl nicht mehr mit den Vorgängern zu vergleichen. Viele bekannte Features wurden komplett umgekrempelt oder sogar gestrichen.

Die Zonen

Wir starten das Spiel in der gemäßigten Zone und entscheiden uns je nach Lust und Laune zwischen einem der drei, zur Verfügung stehenden, Sektoren. Auf einer großflächigen und grünen Insel sorgen wir für Nahrung, Wasser, Baumaterial und Einwohner. Hier geht der Aufbau wirklich extrem schnell voran und im Nu haben wir Administratoren in unseren Behausungen. Dadurch werden neue Gebäude freigeschaltet und wir können endlich unseren Raumhafen ausbauen um in die zweite Zone fortzuschreiten.

Anno 2205 von Ubisoft im Test

In der arktischen Zone wird eher nach dem Patchwork-System gebaut

In der arktischen Zone haben wir ebenfalls wieder die Wahl zwischen drei Sektoren. Neue Rohstoffe lassen sich in der eiskalten Umgebung erschließen, die für die anderen Zonen von belang sind. Unsere Bewohner aus der gemäßigten Zone sehnen sich beispielsweise nach Neuroimplantaten. Aber auch die Einwohner in der Arktis haben bestimmte Bedürfnisse. Es liegt überall Schnee und es ist bitterkalt, um für unsere Bewohner eine wohlige Wärme zu erzeugen errichten wir die Behausungen an Produktionsstätten, da diese Wärme absondern. Unterkünfte die nicht in dem Einzugsbereich einer Fabrik sind, können niemanden beherbergen. Somit ergibt sich eine bunte Mischung aus Produktionsbetrieben und Wohnanlagen.

Anno 2205 von Ubisoft im Test

Wer auf dem Mond Fuß fassen will, muss seine Gebäude vor Meteoriten schützen

Haben wir in beiden Zone jeweils eine annehmbare Siedlung errichtet, genügend Ressourcen gesammelt und unseren Raumhafen in die Arktis ausgebaut, steht uns die dritte und letzte Zone zur Verfügung – oder auch: Endlich können wir den Mond besiedeln! Dieses Unterfangen stellt sich jedoch als nicht ganz so einfach heraus. Wir brauchen zum einen eine Menge Geld, eine extrem positive Bilanz und einen üppigen Energiehaushalt um uns auch in Zukunft in den Kratern des Mondes halten zu können. Exakt! Die Mond-Zone lässt sich lediglich in seinen Kratern besiedeln. Dies setzt sowohl eine penible Platzplanung voraus, als auch Schutzschildgeneratoren, denn wir werden von einem stetigen Meteor-Regen heimgesucht und müssen unsere Gebäude mit besagten Schutzschildgeneratoren vor den dicken Steinbrocken schützen.

Der Warenversand und Handel
Anno 2205 von Ubisoft im Test

Ein neuer übersichtlicher Warenversand lässt den Handel einfacher und kompakter erscheinen

Eines der umgekrempelten Features ist der Warenversand und Handel. Florierte der Warenhandel bisher immer unter den jeweiligen Inseln, beschränkt es sich nun auf die einzelnen Spielzonen. Ich persönlich finde es wesentlich übersichtlicher, denn man verzichtet hier auf gefühlte 1000 Handelsschiffe mit jeweils 3 Routen. Das Interface ist an dieser Stelle wirklich zu loben. Uns wird direkt angezeigt wie viele Güter in der jeweiligen Zone produziert werden und wo ein Bedarf herrscht. Ein Handel zwischen den Zonen ist jedoch erst möglich, nachdem ihr euren Raumhafen entsprechend ausgebaut habt. Ebenfalls kostet jede errichtete Handelsroute Credits. Wohingegen sich Arktis und gemäßigte Zone noch im zweistelligen Bereich befinden, fällt eine Handelsroute zum Mond nicht mehr ganz so kostengünstig aus.

Der erfahrene Anno-Spieler fragt sich jetzt bestimmt, wo denn die NPCs sind mit denen wir Handel betreiben können – dies ist nur bedingt möglich. Kurz um: Wir können Waren kaufen, jedoch keine verkaufen. Warum das so ist? Hier wurde vermutlich absichtlich auf das Online-Feature des Weltmarkts abgezielt. Im Endeffekt nichts was einem zu Unmut verleiten sollte, dennoch widerspricht sich an diesem Punkt die Aussage des Entwicklerstudios Blue Byte, dass Anno 2205 komplett Offline spielbar sei.

Die Kriegsführung
Anno 2205 von Ubisoft im Test

In Anno 2205 haben die Seeschlachten eine separate Karte

In Anno 2205 wurden die Seeschlachten erstmals ausgelagert. Das bedeutet, dass wir eine separate Karte für unsere feindlichen Angriffe nutzen. Umso mehr Schlachten wir absolvieren um so schneller steigen wir in unserem Militärrang auf. Dies wiederum führt zu neuen Schiffsupgrades. Warum befassen wir mit den Seeschlachten, wenn die unserer Siedlung weitestgehend nichts anhaben können? Ganz einfach: Bei Abschluss jeder Militärmission erhalten wir seltene Rohstoffe. Wie viele wir genau bekommen hängt zum einen von unserem gewählten Schwierigkeitsgrad ab, als auch von den Nebenmissionen, die wir abgeschlossen haben.

Die Grafik

Anno 2205 von Ubisoft im Test

Eine atemberaubende und detaillierte Grafik steht auch in diesem Teil wieder im Vordergrund

Natürlich ist auch Anno 2205, wie sein Vorgänger, wieder ein absolutes Paradebeispiel für eine detailreiche und atemberaubende Grafik. Um diese aber auch genau so umsetzen zu können haben die Entwickler von Blue Byte direkt mal eine komplett neue Engine aus dem Hut gezaubert und lieber ihren Fokus auf DirectX 11 gelegt. Das prachtvolle Gesamtbild von Anno 2205 zeigt somit auch in den Obergrenzen der aktuellen Hardware noch den Daumen nach oben. Aber auch auf Mittelklasse-Systemen macht die grafische Darstellung der Inselwelt eine durchaus gute Figur. An diesem Beispiel sieht man wunderbar, dass nicht immer nur die neuste Technik von belang ist um ein hervorragendes Ergebnis zu erzielen.

Das Fazit

Es fiel mir äusserst schwer mir ein vernünftiges Fazit über Anno 2205 zu bilden. Zum einen fühlt es sich so grundverschieden zu all seinen Vorgängerteilen an, zum anderen eben nicht. Es ist anders, aber trotz allem merkt man, dass es sich hierbei noch um einen Teil der Anno-Reihe handelt. Mir persönlich ist es auf Dauer einfach zu langweilig, als das ich langfristig wirklichen Spielspaß entwickeln konnte. Hat man den Stein einmal ins Rollen gebracht, rollt diese auch munter weiter und man muss sich kaum noch kümmern. Irgendwann fing ich an die unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen auszuprobieren, aber auch das gab mir auf Dauer einfach nicht die erhoffte Befriedigung. Für mich ist es inzwischen eher etwas für „mal eben Zwischendurch“.


Anno 2205 auf Amazon kaufen: PC

Checkt auch meine Review zu Assassins Creed Syndicate.

6.8 Awesome

Für diejenigen die etwas Abwechslung zu den bisherigen Anno-Spielen suchen und eher in ruhiger Atmosphäre eine florierende Siedlung aufbauen wollen ist das Spiel optimal.

  • Grafik 9
  • Gameplay 8
  • Story 4
  • Spielspaß 6
  • Wertung (4 Votes) 7.4

Über den Autor

Schreibt Reviews.

Kommentare