Moonlight – Filmkritik

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Regisseur Barry Jenkins hat mit MOONLIGHT ein einzigartiges Meisterwerk geschaffen. 170 gewonnene Awards, mit 3 Oscars ausgezeichnet, für 8 nominiert. Vor der Kamera brilliert ein Trio von Newcomern, das die Hauptfigur Chiron in drei entscheidenden Lebensphasen verkörpert.

Die Story

MOONLIGHT erzählt die berührende Geschichte des jungen Chiron, der in einem Problemviertel am Stadtrand von Miami aufwächst. Der Film begleitet entscheidende Momente in Chirons Leben von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, in denen er sich selbst entdeckt, für seinen Platz in der Welt kämpft, seine große Liebe findet und wieder verliert.

Die Lebensphasen

I.Little

Der kleine „Little“

Der 10 Jährige Chiron (Alex R. Hibbert), der von allen nur spöttisch „Little“ genannt wird, flieht vor anderen Kindern, die ihn verprügeln wollen – bis er von Juan (Mahershala Ali), einem Drogendealer gefunden wird. Er und seine Freundin Teresa (Janelle Monáe) werden zu Chions Beschützern, während seine leibliche Mutter Paula (Naomie Harris) der Cracksucht verfällt.

II. Chiron

Der junge Chiron

Sieben Jahre später findet Chiron seine erste Liebe, sein Schulkamerad Kevin (Jharrel Jerome) . Sein Kampf mit sich, den mobbenden Schulkollegen und dem stetig verschlechternden Zustand seiner Mutter werden sein Leben nachhaltig verändern.

III. Black

Der taffe „Black“

Chiron ist erwachsen und hat sich als „Black“ ein neues Leben in Atlanta aufgebaut, wo er in die Fußstapfen seines Ziehvaters getreten ist. Doch auch dort holt ihn die Vergangenheit ein.

Kein typischer Gangster Film

„Little“ mit Ersatzvater Juan

Während man in erster Linie den typischen „Menace to Society“- Gangster Film erwartet, entwickelt sich der Film recht schnell zu einem unglaublichen Plädoyer für Mitgefühl und Empathie. Ein Drogendealer, der in anderen Filmen als das abgrundtief Böse dargestellt wird, bildet die liebevolle Vaterfigur für einen kleinen Jungen. Würde die erste Szene nicht zeigen, was bzw. wer er ist, hielte man es später nicht für möglich. Daneben eine Mutter, auf die man im Film eingangs wirklich wütend wird ( besonders wenn man selber Kinder hat), hinterher aber Mitleid und vor allem Mitgefühl empfindet. Auch wenn die Filmkapitel manchmal etwas abrupt zu wechseln scheinen, sind die Übergänge verständlich.

Bemerkenswert ist, was sich Hollywood in diesem Streifen „traut“: Man greift gleich mehrere Themen auf, die ansonsten in der Traumfabrik Hollywood gerne mal vermieden werden: Schwarze in Problem-Vierteln, Drogenmissbrauch- und Kriminalität, sowie Homosexualität. Gerade letzeres wird oft in Filmen in eine Schmuddelecke gedrängt. In Moonlight geht es um Gefühle und trotzdem verfällt es nicht ins kitschige. Barry Jenkins hat hier wirklich eine tolle Mischung hin bekommen.

Fazit

Auch wenn man am Ende erst einmal ein wenig fragend drein schaut, wirkt dieser Film sehr lange nach. Da ich ihn mit meiner Frau angesehen habe, mussten wir noch viel über den Film sprechen und es wurden uns im Nachhinein noch Dinge bewusst. Ich möchte aber nicht zu viel Spoilern und rate jedem, sich diesen Film einmal selber anzuschauen. Lediglich die Kamera-Führung hat mich hin und wieder gestört, da man permanent in einer „Verfolger“-Sicht gefilmt hat und man immer wieder mit einer bösen Überraschung gerechnet hat. Für diejenigen, die geballte Action suchen und einen Film, in denen sich schwarze Männer mit bösen „N“-Worten beschimpfend über den Haufen schießen, ist dieser Film definitiv nicht das Richtige. Für alle, die einen unglaublich gut gemachten Film sehen wollen, der ans Herz geht – Schaut ihn Euch an!

MOONLIGHT erscheint am 25. August auf DVD & Blu-ray mit über einer Stunde Bonusmaterial.

Filmfacts

Abschließend möchte ich Euch noch mit Hintergrundwissen versorgen:

Die Idee hinter Moonlight entstand in erster Form an einer Schauspielschule als Projektarbeit. Tarell Alvin McCraney hatte das Skript „In Moonlight Black Boys Look Blue“ beim Borscht Festival eingereicht. Dieses hatte sich zur Aufgabe gemacht, Werke von Künstlern aus der Region zu präsentieren. Leider blieb das Skript unaufgeführt. Erst 2013 stießen Barry Jenkins und Produzentin Adele Romanski auf das Skript. Jenkins und McCraney, die beide zufälligerweise in Miamis Wohnbezirk Liberty City aufgewachsen waren entdeckten viele Gemeinsamkeiten. So stellte sich heraus, dass sowohl in Jenkins, wie auch McCraney´s Kindheit Drogenmissbrauch an der Tagesordnung war. Für Jenkins diente Moonlight also auch, um seine Kindheit zu verarbeiten.

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Chiron/Little findet in Juan eine Vaterfigur (Mahershala Ali, Oscar®-prämiert als Bester Nebendarsteller) © A24 / DCM

7.5 Großartiger Film

Ein Indie-Film, der neben zig Awards auch noch Oscars abgeräumt hat und das mit gutem Recht.

  • Cast 7
  • Bild 7
  • Ton 7
  • Story 9
  • Wertung (1 Votes) 10

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Chefredakteur // Fotograf und Techniknerd || Zocke am liebsten auf der PS4 und dem PC | Schreibe News und Reviews | Kümmere mich um die Organisation und dass dieses großartige Projekt so läuft, wie es das verdient hat.

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