Kill Switch – Filmkritik

0

Das Gute an der Arbeit als Filmkritiker ist: Mann kann sich alles anschauen. Das Schlechte ist: Man muss sich alles anschauen! An welchem Ende des Spektrums sich der Sci-Fi-Schinken Kill Switch wiederfindet erfahrt ihr jetzt.

Die Story

Die Welt befindet sich mal wieder in einer katastrophalen Energiekrise. Fossile Brennstoffe sind aufgebraucht und Solar-, Wind- und Kernenergie können den Hunger der Menschheit nach Strom nicht decken. Als letzte Lösung präsentiert ein globaler Technologiekonzern einen Turm, der Energie scheinbar aus dem Nichts erschafft. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn in Wirklichkeit wandelt der besagte Turm Materie in Energie um, und diese Materie stammt aus einem Paralleluniversum.

Protagonist in Kill Switch ist Will Porter, ein Ex-NASA Mitarbeiter der sich mittlerweile eher als eine Art Feuerwehrmann für den Konzern verdingt. Wenn es brenzlich wird muss er einschreiten und den Tag retten. So auch, als der Turm plötzlich anfängt, mehr Anomalien als Energie zu entwickeln. Porter wird in das Paralleluniversum, das sogenannte Echo, geschickt, um das Problem zu lösen. Doch das hat ungeahnte Folgen…

Zwei Welten

Der Vergleich zu Klassikern wie Alice im Wunderland ist natürlich absurd, aber das Konzept der zwei Welten ist eben auch nicht mehr neu und flackerte schon des Öfteren über die Kinoleinwand. Da kommen einem dann ganz ungewollt derlei Assoziationen. Dennoch hat Regisseur Tim Smit es geschafft, seinem Film ein eigenes Flair zu verpassen, und zwar auf recht findige Weise. Die Ursprungswelt, unsere Erde, kommt im klassischen Look daher, wogegen wir das Echo komplett aus der Ego-Perspektive unseres Helden erleben, ähnlich wie seinerzeit bei dem russischen Film Hardcore. Das Hin und Her zwischen den Welten, und damit auch den Perspektiven, lockert den Film extrem auf und bietet gleichzeitig eine perfekte Orientierungshilfe, um der teils konfusen Timeline zu folgen. Gleichzeitig lenkt es auch ein wenig von der abgeschmackten und bisweilen etwas dünnen Handlung ab. Wirklich glänzen kann Kill Switch in diesen Bereichen nämlich nicht. Die großen Überraschungen und Wendungen bleiben aus und die Fronten sind, auf Grund der meist eindimensionalen Charaktere, ziemlich schnell klar. Solides Mittelmaß, aber nichts wirklich bahnbrechendes.

Die Effekte

Hier wiederum muss für Kill Switch durchaus mal Lob ausgesprochen werden. Optisch ist der Streifen wirklich hübsch anzusehen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Regisseur selbst ursprünglich aus dieser Branche angesiedelt war und weiß was er tut. Das verhältnismäßig geringe Budget der Holländisch-Deutschen Koproduktion merkt man dem Ergebnis jedenfalls nicht an. Auch wenn sich die Effekte nicht mit den großen Blockbustern aus Übersee messen lassen können, ist das Dargebotene durchaus niveauvoll und steht weit über dem üblichen Trash-Gelumpe oder anderen kleinen Streifen.

Der Ton wiederum ist oberer Durchschnitt und spielt da definitiv nicht ganz oben mit. Die Soundeffekte sind oft etwas hohl und lassen den, für die Actionszenen nötigen, Wumms vermissen. Die Synchronisierung ist ebenfalls nicht sehr gelungen. Dennoch kein Manko, welches einen vom Kauf von Kill Switch abhalten sollte.

USA… nicht

Ein Punkt verdient vielleicht besonderer Erwähnung: Es ist so schön, endlich mal wieder einen halbwegs gelungenen Sci-Fi-Film zu sehen, bei dem nicht zum X-ten Mal die USA angegriffen/ausgelöst/bedroht werden. Kein patriotisches Fahnengeschwenke, keine Air Force Fliegerstaffeln, keinen US-Präsident, der die nächste große Motivationsrede hält. Stattdessen: Holland, Deiche, Fahrräder. Allein dafür verdient Kill Switch ein Bonussternchen; auch wenn der Held natürlich trotzdem ein Amerikaner ist.

Das Fazit

Es ist schwer zu sagen, was man von diesem Film nun halten soll. Viel (ungenutztes) Potential, trotzdem weitestgehend unterhaltsam. Die Handlung ist allerdings etwas altbacken, aber mit guten Impulsen und spürbaren Ideen. Handwerklich durchaus gut, aber ein bisschen glanzlos. Am besten erlebt man Kill Switch wohl mit ein paar Freunden und einer Kiste Bier.

6.8 Awesome
  • Cast 6
  • Bild 8
  • Ton 6
  • Story 7
  • Wertung (3 Votes) 5.3

Über den Autor

Bereiche: Games/Filme Netto-Abtropfgewicht: Zu viel! Inspirierendes Zitat: "Aua, meine Hände" - Jesus Christus

Kommentare