In this Corner of the World – Filmkritik

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Die filmische Adaption des gleichnamigen Mangas von Fumiyo Kono hat bei dem Hiroshima International Film Festival 2016 den Hiroshima Peace Film Award gewonnen. Dieser traurige, aber doch sehr hoffnungsvolle Animefilm über eine junge japanische Frau, die versucht dem Krieg zu trotzen, ist am 20. Oktober 2017 auf DVD und Blu-Ray erschienen.

Japan im zweiten Weltkrieg

Suzu erklärt ein Rezept für schlechte Zeiten.

Der Film spielt in dem Zeitraum 1930er-1940er Jahre rund um die japanische Stadt Hiroshima. Erzählt wird die Geschichte der jungen Suzu und ihrem Leben zwischen Entbehrungen und Hoffnung. Aufgewachsen in Hiroshima, entdeckt die kleine Suzu früh ihr Talent zum Malen. Oft flüchtet sie sich in Tagträume und malt sich die Welt, wie sie ihr gefällt. Als junge Frau wird sie mit Shusaku verheiratet und zieht mit ihm und seiner Familie in ein benachbartes Dorf namens Kure.  Ihren Ehemann, den sie zuvor nur ein einziges Mal gesehen hat, lernt sie in dieser Zeit erst richtig kennen. Wegen des immer näher kommenden Krieges, muss die verträumte Suzu schnell lernen mit knapper Nahrung zurecht zu kommen und das Beste aus der Situation zu machen.

Malerische Hoffnung vs. kriegerische Realität

Luftangriffe werden als kleine Farbexplosionen dargestellt.

Ein Hautaugenmerk des Films liegt auf der Malerei und Tagträumerei von Suzu. Hin und wieder flüchtet sie aus der Realität des Krieges und erschafft fantasievolle Bilder.

So lässt uns Suzu die Gischt von Wellen als hoppelnde Hasen auf einem Fluss und Luftangriffe als bunte Farbexplosionen sehen. Mit ihrer unschuldigen und träumerischen Art schafft sie es immer wieder sowohl die Leute im Film, als auch den Zuschauer zu begeistern und selbst einen Moment Träumen zu lassen. Mit Motiven von Tieren oder Pflanzen schafft die Zeichnerin Kono eine positive und hoffnungsvolle Ebene als Gegensatz zu den Schrecken des Krieges für den Zuschauer. Suzu erkennt im Laufe des Films, dass sie ihre Träumereien als Stärke einsetzen muss, um das Grauen zu überleben. Je näher der Krieg der Region um Hiroshima kommt, desto weniger Möglichkeiten hat Suzu um aus der Realität zu fliehen. Sie reißt sich zusammen und meistert den Spagat zwischen Familienalltag und Kriegsgeschehen. Die malerischen Ausflüge von Suzu sind meist in Pastellfarben gehalten und erinnern stark an impressionistische Kunst.

Dass Krieg herrscht lässt sich anfangs nur durch die ganzen Marineschiffe erahnen. Generell werden auch die Luftangriffe erst in abstrakter Weise dargestellt und erst im Laufe des Films konkreter. Der Zeichnerin Fumiyo Kono ist es gelungen, trotz des grausamen Krieges eine freundliche und zeitgenössische Alltagsumgebung zu schaffen und somit den Fokus die japanische Bevölkerung zu legen.

Neben dem schönen Zeichenstil ist auch die musikalische Untermalung gut gelungen. Vor allem zu Beginn bestärkt das Klavierspiel die unschuldige und behütete Art von der kleinen Suzu.

Japanischer Alltag in Episoden

Der Krieg an sich steht nicht direkt im Vordergrund. Vielmehr erzählt der Film die Geschichte eines verträumten Mädchens, das versucht in einer besonderen Lage ihren Alltag zu meistern. Die Details, die der Film zeigt, sind gut recherchiert. Die Autorin hat den zweiten Weltkrieg selbst nicht miterlebt, aber hat Überlebende befragt. In einer Szene erklärt Suzu zum Beispiel wie man mit wenig Reis und Zutaten möglichst viel Ertrag erzeugen kann. Neben dem historischen Ursprungs des Rezepts wird das Rezept so detailliert erläutert, dass man es selbst nachkochen könnte. Ich selbst war auch kurz in Versuchung geraten, dies zu tun!

Der Krieg hinterlässt sichtbare Verwüstung.

Die einzelnen Ausschnitte aus Suzus Leben werden in kurzen Episoden dargestellt. Der Regisseur Sunao Katabuchi hat viele Details und Alltagsszenen in den Film gepackt. Diese verlieren aber, wegen der vielen Schnitte und Sprünge, an Tiefe und gewinnen Hektik.

Ein wichtiges Element und Hinweis auf den Kriegsverlauf sind die eingeblendeten Daten. Zu Beginn gibt es detaillierte Szenen, die Luftangriffe zeigen. Im weiteren Verlauf werden diese abgekürzt und dargestellt, durch Sirenen und Daten. Das wirkt dann eher wie eine trockene Aufzählung . Für den Kriegsverlauf wären historische Vorkenntnisse empfehlenswert, um die Zusammenhänge und die Spannungskurve einordnen zu können. Der Höhepunkt des Krieges ist mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima erreicht. Fast schon erschreckend wie beiläufig dieses Ereignis in dem Film einfließt. Eine große Rauchwolke folgt einer Erschütterung, die noch in Kure zu spüren ist. Ohne das weitere Wissen, würde man nicht erahnen können, welche Folgen diese Bombe für die Geschichte hatte.

Fazit

Suzu schafft es mit wenig Nahrung alle glücklich zu machen.

Ich finde diesen Film sehenswert. Er bringt einem historisch korrekte Details über den Alltag in Japan und den Zweiten Weltkrieg nahe. Gleichzeitig erzeugt er zwischendurch eine malerische und fast schon unschuldige Umgebung, die einen selbst zum Träumen verleitet. Trotz der Unschuld von Suzu, kommt zum Ende des Films Traurigkeit auf. Die Atombombe auf Hiroshima lässt sich nicht vollends ausblenden. Und das ist auch meine persönliche Schwierigkeit gewesen. Gefühlt habe ich den ganzen Film über auf den großen Knall gewartet.

Auch wenn der Film einen traurigen Beigeschmack hat, birgt das Gemüt von Suzu eine Art von Hoffnung für den Zuschauer. Trotz der Widrigkeiten, strahlt sie immer den Willen aus, weiterzumachen. Ein schöner Anime, der das Grausame in malerischer Weise verpackt und hin und wieder eine neue Sichtweise auf alltägliche Situationen schafft.

8.3 Etwas traurig, aber malerisch schön

Der Film behandelt eine traurige Thematik in einer abstrakten und sehr sympathischen Art und Weise.

  • Zeichenstil 9
  • Ton 8
  • Story 8
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Über den Autor

Redaktion Gaming und Musik// Pc und Xbox One//

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