Generation der Verdammten – Filmkritik

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Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des ersten Weltkriegs, hat BBC eine Miniserie veröffentlicht. Generation der Verdammten wurde jetzt auf DVD und Blue-ray veröffentlicht. Schon wieder eine Serie über den Krieg? Ja, man darf und muss bei dem Thema skeptisch sein. Ob „The Passing Bells“ – so der Originaltitel – auch in das mittlerweile ausgelutschte Schema des „Wir sind die Befreier und die Deutschen sind eine ganz böse Brut“ passt, oder anders mit der komplexen Thematik umgeht, habe ich mir angeschaut.

Story

Michael mit seiner großen Liebe vor dem Krieg.

Es ist 1914 in Europa und die Lage zwischen den Ländern spitzt sich zu. Der Höhepunkt ist mit dem Attentat an Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo erreicht. Es folgt die Julikrise, die schlussendlich in den ersten Weltkrieg mündet. Die beiden Jugendlichen Michael und Thomas melden sich freiwillig zum Millitärdienst.

Keine Schuldfrage, sondern Frage nach dem Sinn

Zum Kriegsbeginn melden sich viele Jungen freiwillig.

Relativ schnell wird klar, dass die Serie nicht auf die Beantwortung der empfindlichen Schuldfrage zielt. Es beginnt mit zwei Teenagern, die ihre Jugend genießen und eher naiv mit dem Thema Krieg umgehen. Als der erste Weltkrieg entbrennt, melden sich beide voller Enthusiasmus für den Kriegsdienst.

Bei den einzelnen Wechseln zwischen Michael und Thomas wird keine augenscheinliche Trennung zwischen Deutschen und Engländern gemacht. Der Fokus der Serie liegt viel mehr auf der Generation von jungen Erwachsenen, die mit dem Schrecken des Krieges konfrontiert werden. Bestärkt werden diese Schicksale mit Eindrücken von Zeitzeugen, die zwischendurch eingespielt werden.

Die jungen Soldaten passen gegenseitig auf sich auf.

Enthusiasmus wandelt sich zur Resignation

Während bei der Mobilmachung noch eine große Zuversicht herrscht und die beiden Jungen fest der Meinung sind vor Weihnachten Zuhause zu sein, ändert sich diese Ansicht schlagartig als beide das erste Mal im Schützengraben sitzen.

Michael ist in Kriegsgefangenschaft und sieht keinen Ausweg mehr.

Je länger der Krieg andauert, desto stärker rückt die Sinnfrage in den Vordergrund. Kurz vor Ende des Krieges sind sich die meisten Soldaten einig, dass der Krieg nie enden wird. Als das Ende sichtbar ist, geht es nur noch ums Überleben. Der Aspekt der Feindschaft zwischen Deutschen und Engländern verliert komplett an Gewicht. In der Serie kommt der Punkt, wo die englischen Soldaten behaupten, dass sie wahrscheinlich mit den Deutschen außerhalb des Krieges hätten befreundet sein können.

Gründe des Krieges bewusst im Hintergrund

Die Motive des Krieges werden zu Beginn nicht sonderlich erläutert. Es wird zwar angedeutet, dass Österreich-Ungarn Serbien ein Ultimatum stellt und, dass Deutschland bedingungslose Unterstützung verspricht, aber die typischen sozialdarwinistischen Floskeln werden weggelassen. Komplizierte Bündnisse und Entwicklungen im Vorlauf des ersten Weltkrieges werden hier nicht näher beleuchtet. Das erleichtert den Einstieg für Zuschauer, die nicht in der Thematik drin sind.

Bildgewalt, Dialoge und historische Quellen

Die Serie besticht mit starken Bildern, die die Sinnlosigkeit des Krieges weiter untermauern.  Ein Bild, das mir in diesem Zusammenhang im Gedächtnis

Während des Waffenstillstands helfen sich die Feinde gegenseitig.

geblieben ist, ist, als beide Seiten den Beschuss pausiert haben, um sich um die Verwundeten zu kümmern. Während dieser Szene gab es nur Menschen, die sich gegenseitig geholfen haben. Ein sehr kontroverses Bild, wenn man bedenkt, dass sie sich vor ein paar Minuten noch versucht haben gegenseitig umzubringen. Am Ende der Szene stehen sich beide Seiten gegenüber, schauen sich in die leeren, traumatisierten Augen und drehen sich voneinander weg, um in ihre Rollen zurückzukehren.

Einen guten Übergang zwischen den Kriegsszenen bieten die O-Töne von Zeitzeugen. Diese Töne werden bestärkt durch originales Bildmaterial aus der Zeit. Zwischendurch werden auch Interviews von Zeitzeugen eingespielt. Die dokumentarischen Mittel unterstützen die Serie gut und behindern das flüssige Schauen der Serie nicht.

Eine weitere Stärke der Serie liegt in den Dialogen. Anhand der Dialoge lässt sich die allgemeine Grundhaltung der Soldaten von der Euphorie des Krieges bis hin zur Resignation deutlich erkennen.

Kurze unterhaltsame Serie mit langem Nachklang

Generation der Verdammten fährt – zum Glück – nicht die „Gut – Böse“-Schiene. BBC hat sich bewusst für eine kritische Adaption entschieden, die meiner Meinung nach auch gut funktioniert.

Thomas erkennt langsam den Schrecken des Krieges.

Natürlich kann die Grausamkeit des Krieges nicht detailliert dargestellt werden, da die Serie im frühen Abendprogramm lief. Wer eine blutige Serie wie die amerikanischen Kriegsserien erwartet, wird enttäuscht werden. Ich denke aber, dass die verwendeten Bilder, Zeitzeugenberichte und die Entwicklung der Hauptcharaktere eine gute Grundlage geschaffen haben, um sich mit dem Thema Krieg kritisch auseinandersetzen zu können. Die Thematik erster Weltkrieg ist angenehm unverbraucht.  Serien und Filme über den zweiten Weltkrieg gibt es schon zu viele.

In England freut man sich über das Ende des Krieges.

Ich muss zugeben, dass ich anfangs skeptisch war als es hieß: „Zwei junge Männer, die ähnlicher nicht sein könnten…“, aber die Gemeinsamkeiten der beiden haben den weitreichenden Einfluss des Krieges noch verstärkt. Beim Zusehen hatte ich das Gefühl, dass das auch alles nur Menschen sind, die sich kaum unterscheiden. Der eine trägt halt eine Pickelhaube, der andere nicht. Die Serie besticht auch mit historischen Fakten und der Neutralität bei der Schuldfrage. Aus diesem Grund musste die BBC einige Kritik einstecken.

Filmisch lässt sich die Serie gut schauen, hinterlässt am Ende aber ein gewisses Unbehagen. Die Intention, dass dieser Krieg mehr als unnötig war, wird angemessen umgesetzt.

 

Hier habt ihr das Ganze noch in Bild und Ton:

8.0 Ein passender Umgang mit dem Thema Krieg.

Eine unterhaltsame Serie, die nicht mit den Zeigefinger auf andere zeigt und sehr kritisch mit dem Thema Krieg umgeht.

  • Cast 8
  • Bild 9
  • Ton 8
  • Story 7
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Über den Autor

Redaktion Gaming und Musik// Pc und Xbox One//

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