Doctor Who – 10. Staffel Review

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Peter Capaldi musste fast 50 Jahre darauf warten, den Doctor zu spielen. Nur um in Doctor Who einzusteigen, als sich die Serien-Ratings auf absteigendem Kurs befanden. Mit der aktuellen Staffel gelingt den Machern von Doctor Who allerdings ein Auftrieb. Dabei glänzt besonders Pearl Mackie in der Rolle der Companion Bill Potts.

Der Doctor seriös

Neu: Der Doctor als ernst zu nehmender Lehrer

Der jugendliche, aufgeweckte Charakter von Doctor Who hat mit dem Ausscheiden von Amy und Rory deutlich abgenommen. Auch Claras Verschwinden trug dazu bei. In der zehnten Staffel verabschiedet sich der Doctor allmählich von seiner Schwermut. Wir bekommen einen weiteren Einblick in die Facetten seines Daseins. Der Doctor wird als Gelehrter, als Vermittler von Wissen gezeigt. Vielleicht ist dies eine  Hommage an seine letzte Begleiterin, die Lehrerin Clara. Es beweist jedoch auch, wie erfahren der Charakter inzwischen geworden ist. Der Doctor hat sich als Lehrperson seit dem „Klassentreffen“ in Staffel 2 sehr verändert.

Ebenbürtige Gefährtin statt liebestolles Hündchen

Er tritt auch seiner neuen Companion Bill gegenüber eher als Lehrer als als Freund auf. Die beiden Protagonisten verbindet diesmal keine innige Freundschaft. Dadurch hält sich das wehmütige Verhalten des Doctors in dieser Staffel in Grenzen. Er stellt nicht jeden seiner Schritte aus Sorge um Bill in Frage. Stattdessen zieht er sie aufregende, gefährliche Abenteuer. Bill selbst sieht den Doctor eher als verrückte Vaterfigur. Von dieser distanziert sie sich in einigen Momenten bewusst. Zum Beispiel trennt sie ihr WG-Leben und das Reisen mit dem Doctor gezielt voneinander.

 

12 und Bill: ein ausgeglichenes Maß an Spannung und Harmonie

Die neue Begleiterin des Doctors steht auf Frauen. So stellen die Showrunner doppelt sicher, dass dieses Mal ganz sicher kein romantisches Interesse zwischen den Hauptcharakteren entsteht. Dies wirkt sich positiv auf die Serie aus: Es herrscht ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den beiden. Die Chemie von 12 und Bill erinnert an Donna und Zehn. Jedoch beurteilt Donna den Doctor nach menschlichen Maßstäben. Bill aber stellt die Entscheidungen des Doctors als nicht-menschlich in Frage. Sie verhandelt mit ihm im Auftrag der Menschheit. Dies ist bitter nötig. Denn der Doctor verliert deren Interessen in dieser Staffel manchmal aus den Augen.

Story

Nardole (Matt Lucas) als nervtötender, zweiter Begleiter – ein netter Gegenpol zur dominanten Bill

Zu Beginn der Staffel erfahren wir, dass Nardole und der Doctor bereits seit mehreren Jahrzehnten eine mysteriöse Tür bewachen. Diese befindet sich im Keller der Universität, an der 12 als Dozent unterrichtet. Sie halten Missy (Master) gefangen. Dies bildet die Rahmenhandlung der Staffel. Leider kommt diese neben spannenden Einzelepisoden leider zu kurz. Es gibt immer wieder kleine Einblicke in eine scheinbare Läuterung des ehemaligen Masters. Diese wirken jedoch wenig überzeugend, sodass ihr Geisteswandel zum Ende der Staffel gezwungen scheint. Diese Staffel überzeugt vor allem durch autarke Storylines. Es gibt zwar wenig roten Faden, dafür aber viel Entertainment.

Time and Relative Dimensions in Space

Die Entstehung der Cybermen in „World Enough and Time“

Die überwiegend gute Qualität der zehnten Doctor Who Staffel ermisst sich an einer guten Ratio Space & Time-Folgen. Sie spielen nicht nur im Hier und Jetzt, der Zukunft und der Vergangenheit, sondern auch auf fremden Welten. Neue eingeführte Feinde geben dem Doctor zu tun. Mit altbewährten Feinden ergeben sie eine nette Mischung an Gegenspielern. Es ist für jeden etwas dabei. Grinsende Killerroboter, holzabsorbierende Alien-Kakerlaken und Dinosaurier mit Mundtentakeln. Auch eine klassischen Vorstufe der heutigen Cybermen tritt auf den Plan.

Alles andere als friedfertig: Veritas begegnet man eher ungern im Beichtstuhl

Allen voran sind die Veritas eine interessante Neuheit der Staffel. Sie erweitern das Whoniverse mit Ihrer Fähigkeit, virtuelle und doch autonome Realitäten zu entwerfen. In einem aufregenden Dreiteiler treten der Doctor, Bill und Nardole gegen diese mumienartigen Aliens in Mönchskutten an. Die Mönche haben durch die Erschaffung unendlich vieler virtueller Versionen der Erde zig Möglichkeiten durchgespielt. Und warten mit einem scheinbar perfekten Welteroberungsplan auf. Leider schwächelt gerade der Clou der Veritas in seiner Logik: Sie können nur über die Erde herrschen, wenn die Menschheit sich Ihnen freiwillig ergibt. Auf eine Erklärung, weshalb, wartet der Zuschauer vergebens. Nichtsdestotrotz ist mit ihnen der Grundstein für weitere, spannende Doctor Who Folgen gelegt.

Fazit

Als Langzeit Who-Guckerin habe ich immer wieder meine Probleme mit der Serie. Auch in dieser Staffel läuft nicht alles rund. So wirkt Bills Charakter bei weitem nicht so entwickelt, wie zu Anfang der Staffel erhofft. Handlungsstränge, die ihren Hintergrund betreffen, führen oft ins Leere. Was ist mit Bills Mutter? Warum wird mit Penny eine potentielle Liebhaberin eingeführt und dann links liegen gelassen? Wie viel von Bills Bekanntschaft mit dem Doctor bekommen Ihre WG-Kollegen mit? Auch Bills Schicksal am Ende scheint eher lieblos entworfen. Die Geschehnissen der letzten Folge überstürzen sich. Mit Bill gibt es einen weiteren Companion, der irgendwo im All rumirrt. Es drängt sich der Gedanke auf, dass die Showmacher sich alle Eventualitäten offen halten wollen. Trotzdem überzeugt die zehnte Doctor Who Staffel mit einem erwachsenen Protagonisten, einer starken Begleiterin und kreativen Storylines.

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