The Witcher 3: Wild Hunt – Test / Review

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Genre: Rollenspiel
Entwickler: CD Projekt Red
Publisher: Namco Bandai
Release: 19.05.2015
Das Releasedatum von The Witcher 3: Wild Hunt liegt bereits einige Monate zurück. Allerdings stecken hier auch mehrere 100 Spielstunden in den Abenteuern des Geralt van Riva. Uns erwartet eine eingehende Hauptgeschichte, viele Nebenquests und eine enorme Spielwelt. Im Grunde genommen zu viel, um es gerecht in ein kleines Review zu packen. Denn wenn die Entwickler von CD Projekt Red uns eins bewiesen haben, dann dass sie durch eine Geschichte eine atemberaubende Atmosphäre erschaffen können. Trotzdem werde ich versuchen, den dritten Teil des Hexers in jeder Hinsicht bestmöglich unter die Lupe zu nehmen.
Mit der noch vorhandenen Begeisterung beider Vorgängerteile, begab ich mich ein weiteres Mal auf den namenlosen Kontinent. Ich begleitete den aschblonden Protagonisten durch sein vorerst letztes Abenteuer. Dabei lernte ich allerhand neue Verbündete kennen und sah selbstverständlich auch bekannten Gesichter wieder. Stets mit der Fragestellung im Hinterkopf, ob The Witcher 3: Wild Hunt wirklich alles in den Schatten stellt.

Die Storyline

Die Welt im Witcher-Universum befindet sich im Wandel. Es regieren Krieg und Chaos. Unsere stetigen Begleiter sind Gewalt, Hass, Rassismus und Sex. Monster und Banditen terrorisieren kleine Dörfer. Die Kirche, welche Jagd auf »Anderlinge« und Magier macht, gewinnt zunehmend an Einfluss und der Kaiser von Nilfgaard fällt frohen Mutes in das Königreich Temerien ein. So in etwa haben wir das Geschehen im Vorgängerteil The Witcher 2: Assassin of Kings zurückgelassen.
Sechs Monate zogen seither ins Land und der Hexer erlangte die Erinnerung an seine Vergangenheit wieder. Jedenfalls zum größten Teil. In Anbetracht dessen begibt er sich schnellstens auf die Suche nach Yennefer und Ciri, denn den beiden Damen droht ganz offensichtlich Gefahr.

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Ciri ist in der Geschichte von The Witcher 3: Wild Hunt – neben Hauptprotagonist Geralt – ebenfalls ein spielbarer Charakter

An dieser Stelle muss ein wenig ausgeholt werden. Um den Verlauf der Geschichte und Geralts Beweggründe besser zu verstehen spielt ein geläufiges Vorwissen zum The Witcher-Universum eine prägnante Rolle, denn nicht alles erfährt man im Plot:
Ciri heisst eigentlich Cirilla Fiona Elen Riannon und ist die Prinzessin von Cintras. Nachdem Geralt ihren Vater von einem Fluch befreite, soll der Hexer die ungeborene Tochter des Königs von Cintra nehmen und zu einer vollwertigen Hexerin ausbilden. Geralt weigert sich zunächst. Das Schicksal entschloss aber letztendlich doch, dass der Hexer dazu bestimmt sei die Prinzessin aufzunehmen. In seiner Obhut bildete er sie, abgesehen von der (unter Umständen tödlichen) Kräuterprobe, zu einer vollwertigen Monsterjägerin aus. Nachdem Triss Merigold eine besondere magische Fähigkeit bei dem Zögling Geralts bestätigte, brachten die beiden Ciri auf die Templerschule, wo sie unter anderem von Yennefer trainiert wurde.

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Auch Triss Merigold begleitet uns in The Witcher 3: Wild Hunt wieder auf unserem Abenteuer und hilft uns im Kampf gegen die Wilde Jagd

Kurz vor dem Ausbruch des zweiten Nilfgaard-Krieges reisten Ciri und Yennefer zusammen nach Gors Velen, damit Ciri die Magierschule besucht. Nach einer Auseinandersetzung versuchte man Ciri zu entführen, doch sie floh und schloss sich der Rattenbande an. Vom Kopfgeldjäger Leo Bonhart gefangen, wurde sie von eben diesem furchtbar misshandelt. Schlussendlich gelang ihr erneut die Flucht. Mit ihren Widersachern auf den Fersen entkam sie durch den Schwalbenturm, einem magischen Übergangsprotal zwischen den Welten. Sie landete in der Welt der Elfen, konnte diese allerdings mit Hilfe ihrer speziellen Fertigkeit wieder verlassen. Das rief die so genannte »Wilde Jagd« auf den Plan: Eine Horde Geister, die ihren Ursprung als Aen Elle (Erlenelfen) in der Elfen-Welt haben. Der Erlkönig und Anführer der wilden Jagd ist ganz heiß auf Ciris magische Fähigkeit, dem »älteren Blut« und somit verfolgt die Horde Geister das junge Mädchen.

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

In The Witcher 3: Wild Hunt macht eine Phantomarmee aus der Elfen-Welt jagd auf Geralts Zögling Ciri

Hier knüpft The Witcher 3: Wild Hunt wieder an. Denn nun wird Ciri wegen ihrer besagten unkontrollierten Fähigkeit von der Phantomarmee verfolgt. Geralt trifft rascher als erwartet auf Yennefer, die ihm von der wilden Jagd und dessen Vorhaben erzählt. Ohne Umwege begeben sich die beiden zusammen mit Triss Merigold auf die suche nach Ciri.

An dieser Stelle sehen wir schon, dass CD Projekt Red Meister im Geschichtenerzählen sind. Allein die Hauptstory ist so verstrickt und vielseitig. Nachdem ich unzählige Stunden in Temerien verbrachte, wurde ich von weiteren zahlreichen Geschichten heimgesucht. Sei es bei einer Erkundungstour durch den Wald oder auf dem Weg zur nächstgrößeren Stadt. Bei jeder noch so kleinen Erzählung hängt man als Spieler an den Lippen und versucht seine Neugierde zu stillen.

Das Gameplay

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Eine Rückblende dient in The Witcher 3: Wild Hunt als ein kleines Tutorial um uns wieder mit der Spielsteuerung vertraut zu machen

In jeglicher Hinsicht bieten unsere Freunde von CD Projekt Red ein wahnsinnig großartiges, aber ebenso komplexes Gameplay. Ausweichen, Parieren, Magie, Schwertwechsel und Angreifen gehören zur Tagesordnung in unserer Rolle als aschblonder Hexer Geralt von Riva. An dem Grundprinzip des Gameplays änderte sich all die Jahre nichts, dennoch kommt es mir mit jedem Teil frischer, schneller und abwechslungsreicher vor.

Wir achten in The Witcher 3: Wild Hunt akribisch darauf, wann der Greif zum Sturzflug ansetzt oder das Sumpfmonster zu explodieren droht. Eine ebenfalls essentielle Rolle spielen auch unsere magischen Fähigkeiten. Widersteht unser Gegner dem Feuer, dann verzichten wir besser auf das Zeichen Igni. Kämpfen wir gegen einen menschlichen Feind, zücken wir das Stahlschwert. Unsere Silberklinge ist nämlich nur gegen Monster effektiv. Kleinigkeiten, die das Gameplay in The Witcher 3: Wild Hunt ausmachen, antreiben und einen Kampf erst spannend machen.

Auch das Menü bietet uns allerlei Möglichkeiten Geralt als Charakter weiterzuentwickeln und dem Handlungsverlauf besser zu folgen:

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Im Menü von The Witcher 3: Wild Hunt haben wir unter anderem die Möglichkeit unseren Helden Geralt van Riva auszurüsten

  • Im Glossar werden alle wichtigen Informationen über Monster, Charaktere oder Orte festgehalten. Ein, wie ich finde, äusserst praktisches Feature in jedem The Witcher-Teil.
  • Der Menüpunkt Alchemie lässt uns sowohl Tränke und Salben brauen, als auch Mutagene entwickeln, welche wiederum für Geralts Fähigkeiten von Belang sind.
  • Ein undurchsichtiges Inventar wird uns auch in diesem Teil wieder geboten. Was kann weg? Was benötigt man eventuell im Spielverlauf noch? Zwar weisen einige Gegenstände auf ihren zukünftigen Verbleib hin, bei einigen ist man sich dann aber doch ziemlich unsicher und somit füllt sich das Inventar von Auftrag zu Auftrag.
  • Die Weltkarte darf in jeder Hinsicht nicht fehlen. Wir können uns an bestimmte Wegpunkte teleportieren oder Temerien in seiner Ganzheit überblicken.
  • Zum Glück wurde die Sache mit den Quests von Teil zu Teil besser gelöst. Wir erhalten eine übersichtliche Darstellung über jede anstehende oder bereits erledigte Aufgabe, unterteilt in Haupt- und Nebenquests.
  • Die Meditation ist äußerst Hilfreich, wenn Geralts Gesundheit mal wieder knapp bemessen ist oder wir darauf drängen Nachts unsere Aufgaben zu erfüllen.
The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Im Fähigkeitenbaum von The Witcher 3: Wild Hunt können wir Geralt unterschiedliche Attribute und Mutagene zuordnen

Der Punkt Charakter ist ein wenig komplexer. Hier geht es um die Ausrüstung und Entwicklung der Fertigkeiten unseres Hexers. Seine Erfahrungspunkte verdient sich Geralt durch das Töten von Monstern oder das Erfüllen von Aufgaben. Für jeden Levelaufstieg erhalten wir einen Fertigkeitspunkt (an Orten der Macht finden wir weitere Fertigkeitspunkte), welchen wir munter verteilen können. Der Fähigkeitenbaum ist in vier Kategorien unterteilt: Kampf, Zeichen (Magie), Alchemie und allgemeine Verbesserungen. Jede Kategorie hat ihre eigene Farbe, was insofern ein wichtiger Aspekt ist, da wir so einfacher die Mutagene zuordnen können. Um eine Fähigkeit zu aktivieren, müssen wir diese rechts in den Fähigkeitenbaum ziehen und können sie durch ein Mutagen der selben Farbe nochmals verstärken.
Durch die unterschiedlichen Kategorien ist es uns möglich Geralt ganz unterschiedlich zu definieren. Wir können ihn beispielsweise zu einem Kämpfer, einem Schützen, einem Magier oder einem Assassinen machen.

In diesem Teil haben wir endlich die Möglichkeit zu reiten, in dem wir unser treues Ross »Plötze« herbei rufen. Auch Ciri können wir in einigen Abschnitten spielen, was das Spielgeschehen noch um einiges spannender macht.

Die Grafik

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Die beiden Trailer im Vergleich (Quelle: Giga.de)

Bezüglich der Grafik war ich zunächst, wie viele andere The Witcher-Fans, ein wenig enttäuscht. Zwei Jahre vor Release zeigte das Entwicklerstudio aus Polen auf der Gamescom einen Ingame-Trailer mit einer phänomenalen Grafik. Dieser besagte Trailer zu The Witcher 3: Wild Hunt hat mich damals absolut umgehauen. Ist das überhaupt im Rahmen des Möglichen, fragte ich mich daraufhin. CD Projekt Red beantwortet meine Frage mit einem einfachen »Nein«.
Die visuelle Darstellung des Spiels sah zum finalen Release auf einmal komplett heruntergeschraubt aus. Ein Downgrade der Grafik wurde von Seiten der Entwickler dementiert. Es wurde lediglich aus Performance-Gründen auf ein spezielles Rendering mit besseren Lichteffekten verzichtet. Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier zum ersten mal die, eigens von CD Projekt Red entwickelte, REDengine 3 eingesetzt wurde. Die setzt ihren Fokus nämlich in erster Linie auf eine einwandfreie Performance des Rollenspiels.

Letzten Endes ist das Thema Grafik ein sehr weitläufiges und kompliziertes Thema. Man sollte dabei nicht vergessen, dass sich The Witcher 3: Wild Hunt über drei Jahre in der Entwicklungsphase befand und sich in dieser enormen Zeitspanne sehr vieles ändern kann. Zudem möchte man als Publisher auch ein breites Publikum ansprechen und nicht die Minderheit mit einem Highend-Gamer-PC. Da ist unter anderem die Optimierung der Sichtweite nicht unbedingt die schlechteste Entscheidung. All diese Aspekte tragen schließlich zu der finalen grafischen Version des dritten Hexer-Abenteuers bei und sind meiner Meinung nach nachvollziehbare Gründe.

The Witcher 3: Wild Hunt im Test

Trotz des Fokus auf eine bessere Leistung anstatt einer detailgetreueren Grafik, kann sich The Witcher 3: Wild Hunt blicken lassen

Wenn wir dennoch alles aus The Witcher 3: Wild Hunt herausholen wollen, sollten wir zum einen dafür sorgen, dass die Patches immer auf dem neuesten Stand sind und auch mal einen Blick auf den Performance-, Tweaking und Graphics-Guide von Nvidia werfen. Darin wird uns noch mal detailliert erläutert, wie die Einstellungen der Nvidia-Grafikkarte am sinnvollsten auf den dritten Teil von The Witcher angepasst werden und welche Auswirkungen das Aktivieren und Deaktivieren der unterschiedlichen Ingame-Einstellungen hat. Des Weiteren gibt es für den PC auch noch die Möglichkeit die Konfigurations-Datei des Spiels zu bearbeiten um Geralts Antlitz noch weiter an die Ultra-Grenze zu bringen.

Leider haben die Konsolenspieler von The Witcher 3: Wild Hunt den Nachteil der nicht vorhandenen Ultra-Grafikeinstellungen. Erst ab dem Patch 1.01 schafft es die Playstation 4 mit dem PC mitzuhalten. Dennoch punktet letzterer mit wesentlichen schnelleren Ladezeiten und weniger Grafikfehlern.

Das Fazit

The Witcher 3: Wild Hunt ist meiner Meinung nach eines der weltbesten Spiele auf dem derzeitigen Markt. Eine durchdachte und detailreiche Geschichte legt den Grundstein für ein faszinierendes Open-World-Rollenspiel mit fesselnder Atmosphäre. Sowohl der Wetterwechsel, die Belichtung, als auch die grafischen Effekte und die musikalische Untermalung tragen zu einem regelrechten unglaublich großen Videospiel bei.

Von Vorteil ist es natürlich, nicht einfach mit dem dritten Teil zu starten. Da hinter dieser Spiele-Reihe eine verstrickte und weitreichende Geschichte zugrunde gelegt ist, empfehle ich jedem sich zunächst mit den Vorgängerteilen zu beschäftigen.


Hier geht es zu meiner Review zu The Witcher

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Einen digitalen CD-Key findet ihr auf: GOG, Steam

8.5 Awesome

Für jeden Fan des The Wischer-Universums führt hier kein Weg dran vorbei, ebenso für Rollenspiel-Liebhaber und.. ach, eigentlich MUSS es jeder mal gezockt haben. Meiner Meinung nach das beste Videospiel-Release 2015.

  • Grafik 7
  • Gameplay 8
  • Story 10
  • Spielspaß 9
  • Wertung (3 Votes) 8.9

Über den Autor

Schreibt Reviews und News im Gaming-Bereich | Prozessor: Intel Core i5 4670K, Grafikkarte: NVidia GeForce GTX 970, Arbeitsspeicher: 8 GB DDR3

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