EU-Komission beschuldigt Steam des Geoblockings

Wegen Anwendung von Geoblocking und dem Verhindern grenzüberschreitender Verkäufe, wurde Steam zusammen mit fünf weiteren Entwicklern von der EU-Kommission unter Verdacht gestellt. Was genau da vor sich geht und was Geoblocking und das Thema dieses Verdachts ist, erklären wir euch nachfolgend.

Warum stellt die EU-Kommssion unter Verdacht?

Zunächst einmal muss erläutert werden, worum es der EU bei der Verdächtigung konkret ging. Nach den Richtlinien der Europäischen Union soll es Verbrauchern möglich gemacht werden, Waren innerhalb digitaler Binnenmärkte problemlos auch grenzüberschreitend zu kaufen. Das wurde von Steam und den Entwicklern Capcom, Bandai Namco, Koch Media, ZeniMax und Focus Home wohl verhindert.

Einfach erklärt soll jeder Spieler innerhalb der EU, ob er jetzt in Polen, Frankreich, Ungarn oder Deutschland wohnt, Spiele aus anderen Ländern kaufen und spielen können. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass die Spieler diese Keys bereits schon aus anderen Ländern zwar kaufen können aber an der Registrierung dieser Schlüssel auf Steam scheitern, weil dieser nicht aus seinem Heimatland kommt, unter dem der Account registriert wurde. Und genau dieses “Blocking” wird nun von der EU-Kommission untersucht.

Wieso tun die Entwickler das?

Eine Frage, die bei diesem Thema nur nebenbei behandelt wird, jedoch ein wichtiges Argument darstellt. Das die Entwickler mit ihren Spielen Geld verdienen wollen, dürfte jedem klar sein. Wir möchten hier auch nicht urteilen, inwieweit der Entwickler A oder B die mehr oder weniger aggressive Preispolitik fährt. Im Ursprung vereint das Geoblocking für alle Entwickler einen wichtigen Zweck – nämlich der Vermeidung, dass Keyseller ihre Spiele neben Steam auf anderen Plattformen für einen extrem niedrigen Preis verkaufen.

Die Entwickler sprechen von unaufgeforderten Bestellungen. Damit ist der Kauf von sehr großen Mengen an Keys für ein Spiel gemeint, der eher von einem Zwischenhändler, statt von einem Spieler stammen. Auch hier möchten wir nicht über Preisstrategien von möglichen Mengenrabatten sprechen, die solche Käufe ermöglicht – schlichtweg, weil wir es nicht wissen und daher nicht beurteilen können. Fakt ist aber dass die Keyseller einen sehr niedrigen Kostenblock für diese Schlüssel gezahlt haben müssen, damit solch geringe Verkaufspreise möglich sind.

Ist Geoblocking also gut?

Um es direkt vorweg zu nehmen: Nein, ist es nicht. Spiele oder vielmehr digitale Güter sollen nach Vorschrift der EU-Richtlinien grenzüberschreitend zu kaufen und vor allem zu nutzen sein. Das es Keyseller gibt, die versuchen mit unglaublich niedrigen Preisen sich Marktanteile zu sichern, wirkt dem Markt der Markenfälschung sehr ähnlich – nur wird hier nichts gefälscht. Ob nun ein Spiel zu teuer oder zu günstig ist, hängt stark von dem jeweiligen Titel und den Vorlieben der Spieler ab. Doch sollte ein Entwickler nachweislich durch Keyseller hohe Verluste beklagen, ist an dieser Stelle niemandem geholfen. Nicht dem Entwickler, nicht den Sellern und am wenigsten dem Spieler.

Die Untersuchungen des Verdachts wurden Februar 2017 eingeleitet. Aktuell können die Entwickler und Steam dazu auch Akten einsehen und auf die Anschuldigungen reagieren. Da hier konkret nach der Verordnung des “ungerechtfertigtem Geoblocking” im Bereich Online-Shopping der Verdacht ausgesprochen wurde, werden die beschuldigten Parteien sehr wahrscheinlich Argumente für gerechtfertigte Mechaniken des Geoblocking suchen. In jedem Fall werden Keyseller dabei ein Thema sein.

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