Aus eSport wird eGaming?

Die Debatte um die Anerkennung als sportliche Tätigkeit in Deutschland läuft für den eSport alles andere als ideal. Inzwischen hat der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) klar gestellt, dass sie den Begriff eSport als auch den Sport an sich, nicht als solchen akzeptieren werden.

In einem Beitrag des DOSB wird ausführlich und sehr genau erklärt, aus welchen Gründen der Deutsche Bund für olympischen Sport eine Definition des eSport als sportlich anerkannte Tätigkeit nicht akzeptiert. Dies hatte zur Folge, dass in den sozialen Medien viel Gegenwind zu spüren war. Die Mitgliederversammlung des DOSB steuert seitdem einen strengen Kurs entgegen einer Anerkennung des eSports. Doch was bedeutet dies nun für Gamer und eSportler?

Vorerst muss unterschieden werden, dass eSport als Olympische Disziplin eine Entscheidung vom weltweit olympischen Komitee und eSport als anerkannte Sportart eine länderspezifische Entscheidung erfordert. Daher gilt in Japan der eSport als anerkannte Sportart, hat sich jedoch nicht für eine Freigabe bei den olympischen Spielen als würdig erweisen können. Hier in Deutschland arbeitet der Deutsche Sportbund auf klar olympischer Basis und wird daher für das eigene Land den eSport generell nicht anerkennen.

Foto: Guido Kirchner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Aber wieso weigert sich der DOSB nun, den eSport Begriff zu nutzen, geschweige denn, ihn anzuerkennen? Der Vorstand und die Mitglieder des DOSB sind für eine differenzierte Aufteilung von Spielen, die mehr an tatsächlich existierende Sportarten orientiert sind und welchen, die keinen direkt erkennbaren sportlichen Charakter aufweisen. Beispielsweise wird das Spiel FIFA19 für den neuen Begriff eGaming akzeptiert, League of Legends jedoch nicht. Dazu muss gesagt werden, dass selbst eGaming keine anerkannte Sportart für den DOSB darstellt, sondern lediglich als Rolle oder Teil der Verbandsarbeiten und Wahrnehmung der Jugendkultur gilt.

Hierbei zeigt sich relativ schnell, dass der DOSB im Hinblick auf eine virtuelle Version der anerkannten Sportart höhere Chancen für eine Anerkennung als eGaming einräumt, als für Counter Strike:Global Offensive oder League of Legends. Doch wieso genau der DOSB nun die Anerkennung des eSports verweigert, wird nicht etwa auf einen speziellen Titel selber, sondern auf das Thema Gaming allgemein beantwortet.

Denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Videospiele als Sucht gefährdend und damit als Gesundheitsrisiko eingestuft. Diese Aussage beißt sich mit den ethischen Richtlinien des DOSB. Natürlich haben dann Inhalte aus CS:GO in denen Gewalt sehr klar und deutlich gezeigt wird, es noch schwerer als sowieso schon. Hinzu kommt die wirtschaftlich geleitete Angebotsvielfalt und Fokussierung von Entwicklern und Veranstaltern auf die Titel, die im eSport gespielt werden.

Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) hat sich in einem Beitrag zu dem Statement des DOSB zu Wort gemeldet und äußert, dass der DOSB nicht nur “an der gesellschaftlichen Realität” vorbeiziehe, sondern sich auch gegen Vereinbarungen des Koalitionsvertrags stelle, in der die “vollständige Akzeptierung des eSport” zugesichert werden sollte. Damit würde nicht nur ein unangemessenes und respektloses Bild gegenüber der Menschen vermittelt, die sich tagtäglich ehrenamtlich für den eSport einsetzen, sondern würde dazu noch einen Vertrauensverlust in der jüngeren Generation in die Politik verursachen.

Inzwischen haben sich schon Sportler aus Fußballvereinen unter dem Hashtag #unitedbyesports auf den sozialen Medien deutlich gegen die Entscheidung des DOSB ausgesprochen und halten an einer Gleichberechtigung von eSportlern weiterhin fest. Doch aktuell ist nicht davon auszugehen, dass sich der Kurs, den der deutsche Bund für olympischen Sport eingeschlagen hat, so schnell ändern wird.

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Persönliche Gedanken

Mir selber ist dieses Thema mehr als bekannt und mich frustriert die engstirnige Haltung des DOSB. Gaming ist als eSport praktiziert alles andere als simples “Zocken” oder ein Verwahrlosen vor dem Bildschirm. eSport hat vor allem einen kompetitiven Charakter und erfordert mehr Geschick und motorische Fähigkeiten als so manch andere Sportart, die als offiziell anerkannt gilt.

Jedoch kann ich die Punkte gegen den eSport vom DOSB auch verstehen. Es geht um Ethik, Philosophie und Leitbilder, die eine sportliche Kultur seit Jahrtausenden geprägt haben. Eine Sportart als solche anzuerkennen, die offiziell als gesundheitsschädlich gilt, erscheint mir da ebenfalls zweifelhaft. Im Prinzip kann gesagt werden, dass jede Sportart – zu viel praktiziert – schädlich für jemanden sein kann.

Doch wenn ich mir so manches Mal diesen männlichen Chauvinismus im Fußballstadion ansehe, wie Ultras sich untereinander etwas Böses möchten, nur weil sie das andere Team anfeuern, wie viel für Fußballwetten ausgegeben wird und so manches Leben vor das Nichts gestellt hat – dann bin ich genauso fassungslos wie über die Entscheidung des DOSB.

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