Ace Combat 7: Skies Unknown – Test

Hört ihr diese Musik im Hintergrund? Ganz leise schleicht sie sich in euren Hinterkopf, wenn ihr an Kampfjets denkt. Top Gun war ein Phänomen der 80er Jahre und die ikonische Musik kennt zumindest auch heute noch fast jeder. Ein Film, der quasi ein ganzes Genre popkulturell etablierte. Kein Wunder also, dass auch im Bereich Videospiele früher oder später darauf eingegangen wurde. Mit der Ace Combat-Serie verbinden viele Spieler schöne Erinnerung auf der PlayStation. Inzwischen ist es einige Zeit ruhig geworden, um die berühmte Dogfight-Simulation, doch können sich dieses Jahr mit Ace Combat 7: Skies Unknown Genrefans auf frisches Futter freuen. Ob das Spiel euer Pilotenherz in die Lüfte steigen lässt, lest ihr in diesem Test.

Worum geht’s?

Der Hund wurde schnell zur Internetberühmtheit. Die Entwickler sparten sich die Mühe eines 3D-Modells und fügten lediglich ein Bild ein.

Ace Combat 7 spielt in der bereits von den Vorgängern bekannten Welt, in der sich die fiktiven Staaten Erusea und Osea im Krieg befinden. Der Spieler schlüpft in die Rolle des Piloten „Trigger“, der weder Gesicht noch Stimme bekommt. Insgesamt 20 Missionen bietet das Spiel, die vom Grundaufbau immer gleich bleiben: Eine Zwischensequenz, in der die Geschichte einer jungen Schrauberin erzählt wird, gefolgt von einem militärischen Briefing, bis der Einsatz letztlich gespielt wird. Wie die Geschichte der jungen Dame und die Einsätze zusammenhängen? Nicht sofort ersichtlich. Darüber hinaus könnte die ganze Geschichte besser inszeniert werden. Die Figuren sind austauschbar, wachsen nicht ans Herz und sind vergessen, sobald die Credits laufen. Dass hanebüchene Elemente, wie aufblasbare Trucks und aufgemalte Landebahnen eine Rolle spielen, liegt vermutlich an der generellen Absurdität der Welt. Fans der Reihe werden das schon kennen.

Missionsdesign

Kennst du eins, kennst du alle: Die Briefings sind sich im Kern sehr ähnlich.

Die Briefings vor jeder Mission laden nicht zum aufmerksamen zuhören ein und auch sonst wird nicht immer klar, was in der Mission zu tun ist. Zumal sich die Missionsziele auch innerhalb der Missionen ändern können. Über Funk hört man die Gespräche seiner Kameraden, die irgendwann erzählen, was der Plan ist. Wichtig dabei: Es gibt nur eine japanische und eine englische Sprachausgabe. Deutsche Untertitel sind vorhanden, im Eifer des Gefechts fehlt jedoch die Zeit zum Lesen. Dadurch wird es noch problematischer, das Missionsziel zu verfolgen. Hinzu kommt durchgehender Zeitdruck, der nach jedem Checkpoint neu resettet wird. Es bringt also nichts, den ersten Abschnitt schnell zu erledigen, da die Zeit im zweiten Abschnitt sowieso auf einen neuen Wert gesetzt wird. Dabei sind einige Abschnitte so locker bemessen, dass sie leicht erledigt werden, andere wiederum sind so knapp bemessen, dass schnell Frust aufkommt.

Abwechslung im starren Korsett

Mit verschiedenen Szenarien bringt die Kampagne Abwechslung ins Spiel.

Die Missionen selbst sind einigermaßen abwechslungsreich gestaltet. Mal müssen Panzer, Landeplätze oder Schiffe in Bodennähe ausgeschaltet werden und im nächsten Moment stehen gegnerische Jets in hitzigen Dogfights auf der Abschussliste. Zusätzlich gibt es Missionen, in denen bspw. Radarzonen umflogen werden müssen, um unentdeckt zu bleiben. Hier kommen Stealthelemente zum Tragen, die jedoch mehr des Fliegens eines Parcours ähneln. Dazu kommen Missionen in denen Verbündete vor gegnerischen Attacken beschützt werden müssen. Bekannt aus dem typischen Missionsbaukasten. Gerade das Beschützen von Verbündeten unter Zeitdruck ist selten eine gute Idee. Dennoch gibt es immer wieder abwechslungsreiche Elemente, die die Missionen spannend gestalten. Seien es gelegentliche „Bossfights“ gegen stärkere Flugzeuge, oder die wechselnden Szenarien. Darunter Dogfights über Großstädten oder aber auch inmitten von Gewitterwolken. Somit wiederholen sich genrebedingt zwar die Missionsziele, dennoch wird Abwechslung geboten, sodass keine Langeweile aufkommt.

Gameplay

Worauf es jedoch abseits der Geschichte eigentlich ankommt, ist das Spielgefühl. Allgemein kann zwischen drei Schwierigkeitsgraden unterschieden werden, wobei es auf dem mittleren in einigen Situationen bereits knackig werden kann. Genreanfängern wird ans Herz gelegt, sich diese Entscheidung genau zu überlegen, da der Schwierigkeitsgrad im Lauf der Geschichte nicht mehr verändert werden kann.

Die nächste Entscheidung muss bei der Art der Steuerung gefällt werden. Standardmäßig ist der leichtere Modus aktiviert, bei dem ihr nur mit dem linken Stick in die jeweilige Richtung drückt und das Flugzeug seine Befehle befolgt. Dieser geht sehr intuitiv von der Hand und macht das Verfolgen der Gegner relativ leicht. Demgegenüber steht die Experten-Steuerung, in welcher das Flugzeug mit dem Stick nach links und rechts geneigt wird, um dann die Nase des Jets hoch zu ziehen oder runter zu drücken.

Das Fokussieren der Kamera auf einen Gegner, erleichtert mitunter die Verfolgung.

Die Experten-Steuerung ist damit deutlich realistischer, aber eben auch deutlich schwieriger zu erlernen. Das normale Fliegen geht leicht von der Hand, das Verfolgen von Gegnern erfordert jedoch deutlich mehr Übung. Denn schnell verliert man die Orientierung und der Feind ist außerhalb der Sichtweite. Zwar wird mit einem Pfeil eindeutig angezeigt, wo er sich befindet und durch gedrückt halten einer Taste kann die Kamera fest fokussiert werden, dennoch erfordert es viel Übung. Schade ist, dass die Sensitivität zur Steuerung der Kamera sehr hoch eingestellt ist und sich auch nicht ändern lässt. Dadurch kann man nur schwer manuell seine Gegner im Blick behalten. Das funktioniert im VR-Modus deutlich besser, doch dazu später mehr. Insgesamt habe ich überwiegend mit der leichten Steuerung gespielt, da es besser von der Hand geht und dennoch viel Spaß bereitet.

Die Dogfights

Wolken beeinträchtigen nicht nur die Sicht, sie haben auch Auswirkungen auf das Handling.

Denn die Luftgefechte in Ace Combat 7 machen Spaß. Sind die Missionsziele auch noch so zermürbend, die verbündete KI nicht wirklich clever und die Steuerung manchmal eigenwillig: Besonders enge Kurven mit Gefahr auf Strömungsabriss zu fliegen, nur um sich in Position zu bringen und den feindlichen Flieger vom Himmel zu schießen, motiviert auch nach mehreren Missionen. Hinzu kommt das Wetter: Gegnerische Raketen und Feinde beim Durchfliegen von Wolken abzuschütteln, ist durchaus eine valide Option – auch für den Gegner. Nicht selten erwischt man sich dabei orientierungslos in der Wolkenmasse verloren zu sein und verliert seinen Gegner aus dem Blick, während die Tragflächen vereisen und die Steuerung beeinträchtigen. Damit ist das Wetter als taktisches Element mit gewissen Nachteilen nutzbar. Doch wenn man aus der regnerischen Gebirgslandschaft über die Wolkendecke fliegt, um bei bestem sonnigen Wetter weiterzufliegen, kommen fast Urlaubsgefühle auf – wären da nicht die Raketen.

Der Fähigkeitenbaum

Hinzu kommt die Möglichkeit den eigenen Jet zu individualisieren. Dazu gibt es eine Art Skilltree. Mit jeder Mission bekommt der Spieler Geld der fiktiven Währung MRP, womit verschiedene Flugzeuge und Bauteile innerhalb des Skilltrees gekauft werden können. Das Geld ist knapp, weshalb es ratsam ist, sich vorher zu entscheiden, welchen der Wege man einschlagen möchte. Generell wird zwischen drei Flugzeugtypen unterschieden: Jäger, die besonders gut für Luftgefechte sind, Bomber eignen sich besonders gut für Ziele am Boden und das Mehrzweckflugzeug, welches sich irgendwo dazwischen befindet. Sie unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Wendigkeit, Stabilität etc. Insgesamt kann jedes Flugzeug mit bis zu acht Bauteilen verbessert werden. Hinzu kommt die Wahl verschiedener Spezialwaffen. Von Raketen, die bis zu vier Ziele gleichzeitig anvisieren bis hin zu futuristisch anmutenden Waffensystemen. Das bietet die Möglichkeit das Flugzeug auf die Missionsziele anzupassen, aber auch nach den individuellen Vorlieben.

Multiplayer

Im Multiplayer gibt es zwei verschiedene Modi, die mit bis zu 8 Spielern zeitgleich gespielt werden können: Deathmatch und Team-Deathmatch. Bereits in der Singleplayer-Kampagne erworbene Inhalte können übernommen werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass dem eigenen Flugzeug je nach Ausstattung ein bestimmter Wert zugewiesen wird. Je höher der Wert, desto besser das Flugzeug. Nach diesem Wert findet das Matchmaking statt, sodass kein Elite-Flugzeug gegen die Beginner-Rostlaube spielen muss. Das schafft eine gewisse Fairness innerhalb der Matches. Der Multiplayer erfordert im Vergleich zum Singleplayer ein gewisses umdenken, sind die menschlichen Gegner im Regelfall deutlich stärker als die programmierte KI.

Wunderschöne Landschaft….oh..

In guten Momenten weiß das Spiel grafisch zu überzeugen…

Ace Combat 7: Skies Unknown ist der erste Ableger der Reihe für die neue Konsolengeneration. Damit sieht es selbstverständlich besser aus als alle seine Vorgänger. Die bereits beschriebenen Wettersituationen sorgen gelegentlich für kleine Wow-Momente. Auch wenn sich die untergehende Sonne im Meer spiegelt, sind das wunderschön anzuschauende Szenarien. Dazu kommen die detailgetreu nachgebauten Jets. In diesen Momenten weiß das Spiel eindeutig zu überzeugen.

…in schlechten Momenten verschließt man lieber die Augen.

Doch folgt das Problem, wenn man die Comfortzone des Spiels – den Himmel – verlässt und sich weiter in Richtung Boden bewegt. Das ist in nicht wenigen Missionen der Fall. Hier fallen die matschigen Bodentexturen auf, die an PlayStation 2-Niveau erinnern. An dieser Stelle hätte Entwickler „Project Aces“ noch eine deutliche Schippe drauflegen müssen. Es wirkt als wären die Texturen noch nicht fertig geladen, doch auch nach längerer Verweildauer im Gebiet, bleibt es auf dem deutlich ins Auge springenden schlechten Niveau. Dazu kommt „nur“ eine 1080p Auflösung und gelegentliches Kantenflimmern. In der Luft bleibt es zwar ein wunderschön anzuschauendes Spiel, in Nähe des Bodens schaut man jedoch besser nicht so genau hin.

Sound

Der Soundtrack des Spiels ist teilweise gelungen, teilweise aber auch ausbaufähig. Natürlich ist es eine Frage des Geschmacks, mich persönlich hat der Soundtrack aber nicht immer so aufgeputscht, wie es die intensiven Luftschlachten erfordert hätten. Gleiches gilt für die allgemeine Sounduntermalung. Im Vergleich mit einem Battlefield hätten Explosionen, Schüsse und eingesteckte Treffer noch deutlich satter und wuchtiger klingen dürfen. Insgesamt ist der Sound nicht schlecht, bietet aber durchaus Luft nach oben. Besonders schlimm: Wenn eine gegnerische Rakete am Heck klebt, was in einigen Missionen durchgehend der Fall sein kann, ertönt ein nerviger Warnton und eine Stimme, die auf die prekäre Situation hinweist. Notwendig, aber dadurch nicht weniger unangenehm.

VR-Modus auf der PlayStation 4

In virtual Reality kann schon der Start der Maschine zum atemberaubenden Szenario werden.

Der VR-Modus besteht aus drei Missionen, in denen man sich hitzige Gefechte über Meer, Land und im Gebirge liefert. Grafisch wurde das Spiel etwas runtergeschraubt, was es aber an spielerischer Qualität gewinnt, ist unglaublich. In VR kann nur mit der Experten-Steuerung gespielt werden, die hier jedoch deutlich intuitiver von der Hand geht, als im normalen Spielmodus. Denn Gegner im Blick zu behalten ist durch Bewegen des Kopfes viel leichter. Ein nach wenig klingender, aber trotzdem essentieller Vorteil. Wenn man den Gegner mit Barrel Rolls, Loopings und Schrauben verfolgt, ihn dabei jedoch nicht aus dem Blick verliert, kommt ein Fluggefühl auf, das seinesgleichen sucht. Durch das dreidimensionale Sehen entsteht zusätzlich ein unfassbares Geschwindigkeitsgefühl. In der virtuellen Realität ist Ace Combat 7 eines der besten Erlebnisse, die ich bisher machen durfte. Umso schwerer fällt es, danach wieder in die “normale” Kampagne zu springen. Schade, dass diese nicht auch in VR spielbar ist.

Fazit

Auch wenn sich der Test in Teilen negativ liest, ist Ace Combat 7: Skies Unknown insgesamt kein schlechtes Spiel. Natürlich gibt es Stellen, die eindeutig Verbesserungspotenzial bergen. Darunter die Story, Grafik und auch der Sound. Dennoch zählt bei einem Spiel wie diesem überwiegend das Gameplay und damit das Spielgefühl. Das entscheidet maßgeblich darüber, ob das Fliegen und jagen der Gegner Spaß macht oder nicht. Und das tut es. Zusätzlich bietet die Kampagne im Rahmen ihrer Möglichkeiten genug Abwechslung und kann mit ihrem Umfang von 20 Missionen lange an das Spiel fesseln, auch wenn die Geschichte nicht ihren Teil dazu beiträgt. Für mich kein Spiel, dass ich in einem Stück durchspielen kann, aber für ein paar Missionen am Abend durchaus zu empfehlen. Spätestens, wenn der VR-Modus eingelegt wird. Beim nächsten Ace Combat dann aber bitte für das gesamte Spiel.

Ace Combat 7: Skies Unknown

7.4

Story

6.0/10

Gameplay

8.5/10

Grafik

7.5/10

Sound

7.5/10
Teilt die Liebe!

Wurde von einem Gameboy großgezogen und spiele alles, was PlayStation 4 und Switch hergeben. Fan der virtuellen Realität.

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