Ex Machina – Filmkritik

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Die Darstellung von Zukunftsvisionen auf der Filmleinwand erfolgt im Zeitalter des 3D Kinos in der Regel in Form von CGI Ergüssen, rasenden Kameras und opulenten Szenarien. Das Regiedebüt von Alex Garland ( Zuvor Drehbuchautor von u.a. „28 Days Later“ und „Sunshine“) „Ex Machina“ hingegen, setzt seinen Akzent wesentlich mehr auf seine Charaktere, Stimmung und ein schrecklich beklemmendes Setting. Das Resultat ist ein Hard Science Fiction Kammerspiel, auf das Mary Shelley stolz gewesen wäre.

Als Caleb (Domhnall Gleeson, „Frank“) auf seinem Monitor die Gewinnbestätigung auftauchen sieht, fällt er fast aus allen Wolken. Ausgerechnet er darf nun mit seinem Vorbild und Vorsitzendem Nathan (Brillant: Oscar Isaac, „Inside Llewyn Davis“) für eine Woche zusammenarbeiten. Das exzentrische Genie lebt isoliert mit seiner asiatischen Haushälterin Kyoto in den Wäldern Alaskas. In Mitten der malerischen Landschaft hat der Erfinder der größten Online-Suchmaschine sein Haus und Forschungsstation eingerichtet, in der er Caleb direkt mit einem absoluten Hammer konfrontiert. Mit Hilfe der Nutzung der gesammelten Daten durch seine Suchmaschine, ist es ihm gelungen einen Roboter mit künstlicher Intelligenz zu erstellen. Ava (Ebenfalls brillant: Alica Vikander, „Seventh Son“) ist kurz vor dem Abschluss – nur ein finaler Test fehlt noch. Bei dem Turing Test (Jap, ihr fleißigen Kinogänger Alan Turing ist der Mathematiker aus „The Imitation Game“) geht es darum zu beurteilen, ob es sich bei dem Gegenüber um einen Mensch oder eine Maschine handelt. Da Caleb sich über diese Tatsache allerdings völlig im Klaren ist, geht es viel mehr darum, ob er ihr, trotz dieses Wissens, ein eigenes Bewusstsein und Denkvermögen zugesteht. Seine objektive Meinungsbildung wird allerdings massiv durch das undurchschaubare und launische Verhalten von Nathan, die Anbändelungsversuche von Ava und dem kameraüberwachten Gebäude gestört, in dem irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht…

Ava: Hello.

Caleb: Hi. I’m Caleb.

Ava: Hello Caleb.

Caleb: Do you have a name?

Ava: Yes. Ava.

Caleb: I’m pleased to meet you Ava.

Ava: I’m pleased to meet you too.

Alex Garland konstruiert mit „Ex Machina“ einen hoch spannenden Science Fiction Thriller, bei dem trotz fortgeschrittener Technik, alles stets nachvollziehbar und nicht abgehoben wirkt. Zusammen mit den wirklich hervorragenden schauspielerischen Leistungen der Akteure, ist es gerade diese Tatsache, die es dem Zuschauer möglich macht, so in den Film einzutauchen und ein Empfinden für die Situation zu entwickeln. Ein Kammerspiel funktioniert nur so gut, wenn Dreidimensionalität der Charaktere gegeben ist und genau dies schafft Garland bei jedem der Handlungsträger zu erzeugen – gerade, oder vielleicht besonders, bei dem Roboter Ava.

Bereits sehr früh im Film stellt sich bei dem Zuschauer ein Gefühl der Beklommenheit ein, dass durch die kontrastreichen Bilder, den Mark erschütternden Soundtrack, die immer präsenten sexuellen Spannungen unter den Charakteren und das clever gewählte Überwachungsszenario, nahezu ins Unendliche steigt. Eine der großartigsten Szenen im Film ist zweifelsohne der sturzbetrunkene Nathan, der vor dem fassungslosen Caleb, schmierig grinsend mit seiner emotionslosen Haushälterin tanzt.  Man weiß als Zuschauer nicht, ob man darüber lachen oder angewidert wegschauen möchte – ein Verdienst der grandiosen Leistung von Oscar Isaac, der das ekelige Macho Genie perfekt verkörpert, ohne dabei zu stumpf und nicht nachvollziehbar zu wirken.

Der Film konfrontiert uns mit der existenziellen Frage: Was macht den Menschen menschlich? Bereits Isaac Asimov hatte sich im Genre des Hard Science Fictions im frühen 20ten Jahrhundert dazu Gedanken gemacht und Garlands Vision von künstlicher Intelligenz scheint Teile seines Gedankenganges fortzuführen, auch wenn er den Franksteinmythos, von dem sich Asimov damals durch seine drei Gesetze der Robotik distanzieren wollte, wieder zum leben erweckt. Das Ganze ist jetzt nicht unbedingt komplett neu, dafür aber so wundervoll stringent und packend erzählt, dass es den Zuschauer trotzdem von der ersten Minute an fesselt.

„Isn’t it strange, to create something that hates you?“ 

„Ex Machina“ ist wundervoll inszeniertes, ruhiges Science Fiction Kino mit Psychospielchen, einem bärenstarken Cast und einer Handlung, die genau weiß wo sie hin will, ohne sich dabei zu übernehmen oder in Konfusion zu verrennen.

8.8 Ein Sci-Fi Kammerspiel mit toller Optik und herausragendem Cast!
  • Besetzung 10
  • Bild 9
  • Regie 8
  • Inhalt 8
  • Wertung (1 Votes) 8.9

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Der unüberwindbare Erzfeind - Armdrückstatistik gegen Steffen: 29:0!

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