Jahresrückblick 2018 – DeDave

Noch fünf Tage und dann ist Weihnachten! Und als dritter im Bunde der Redakteure von NerdStar gebe auch ich ein Resümee für das Jahr 2018 im Hinblick auf Gaming und der Webvideo-Szene ab. Macht euch also bereit für das bisschen Gehirnschmalz, das ich noch für den Rest des Jahres entbehren kann.

Vorwort

Zuvor sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass ich mich erst seit Anbeginn der gamescom dieses Jahr bei diesem geilen, bunten Haufen von tollen Menschen einbringen darf. Daher wird mein Jahresrückblick bei NerdStar in etwa ein halbes Jahr betreffen – dennoch gibt es ein Thema, das ich vermutlich “NerdStar-übergreifend” mit ansprechen möchte. Doch mehr dazu am Schluss.

Hocker-Reißer

Dieses Jahr wurden Titel veröffentlicht, die mich ein ums andere Mal buchstäblich vom Hocker gerissen haben. Die stärksten Spiele folgen in einem kurzen Roll-Up mit persönlicher Meinung. Achtung: Stark heißt nicht unbedingt gut. Es werden auch Titel genannt, die 2018 für ihren negativen Nachhall öfters in den Medien standen.

Subnautica

Der Taucher © Unknown Worlds Entertainment

Anfang 2018 kam der Unterwasser-Survival Hit erstmals aus dem Early Access und hat seitdem etwas geschafft, was bisher kein Titel bei mir bewirken konnte. Ich habe echte Angst gespürt. Ich kann tiefes und gefährliches Gewässer absolut nicht ausstehen und die beeindruckende Geräuschkulisse von Subnautica zog mich dermaßen in ihre Atmosphäre, dass ich am Heck der Aurora, als ich einem Reaper begegnete, der mir mitten ins Gesicht schwamm, derartig zusammenschrecken lies, wie ich es noch nie zuvor in einem Spiel gespürt habe.

Absolut tolles Spiel, fantastische Atmosphäre und wunderschön gearbeitetes Gamedesign. Ein würdiger Start in das neue Jahr damals.

Sea of Thieves

Das Skelettschiff © Microsoft / Rare

Mit seinem einzigartigen Gameplay hatte Rare einen Titel veröffentlicht, der es vielleicht sogar zum Spiel des Jahres geschafft hätte. Wenn da nicht schwerwiegende Contentprobleme und Langzeitmotivations-Einbußen aufgetreten wären, hätte Sea of Thieves das Jahr 2018 gerockt. Die Entwicklung hat zu lange gedauert, wodurch in der Zwischenzeit viele andere Entwickler auf denselben Zug aufgesprungen sind und funktionierende als auch interessantere Varianten auf den Markt bringen konnten. Dadurch hatte Microsoft mit Rare den besten Zeitpunkt leider knapp verpasst und den Content gleich zu Beginn schleifen lassen.

Zwar werden immer noch weitere Inhalte nachgereicht aber durch den sehr turbulenten Release haben leider viele Fans gemeutert und sind über die Planke gegangen.

Fallout 76

Fallout 76 © Bethesda

Definitiv das am meisten herbeigesehntes Spiel in diesem Jahr. Das Marketing und die PR-Agenturen von Bethesda haben unglaubliche Arbeit geleistet und Kampagnen gestartet, welche ich in solchem Ausmaß nur selten gesehen habe. Leider blieb der Multiplayer-Ableger der Fallout Reihe hinter den Erwartungen der Community und musste eine üble Kritik nach der anderen erdulden.

Leider war der Gameplay-Umschwung vorher schon kritisch zu beäugen, da Bethesda mit Fallout 76 inkl. seiner Engine und seinen Kompetenzen auf Neuland baut und das kann auch einmal daneben gehen.

God of War

Kratos © Sony

Der Exklusiv-Titel von Sony für die PS4 hat bei den diesjährigen “The Game Awards” den Preis für das beste Spiel 2018 erhalten und ich muss sagen: zu Recht. Die Atmosphäre, das Gameplay, die Story und so ziemlich alle Aspekte dieses Action-Adventure-Hack-n-Slay-Werks machen in so ziemlicher jeder Sekunde des Spielens einen großen Spaß. Fast noch besser als all diese Sachen in God of War ist die Aussage, dass es nicht bei diesem Teil bleibt, sondern weitere Nachfolger in Planung sind.

Daddy Kratos wird sich also nach Herzenslust durch die Gottbestände metzeln können. Und ich werde das auf keinen Fall verpassen.

Super Smash Bros. Ultimate

Die Kämpfer © Nintendo

Nicht nur Memes, sondern auch allerlei Gerüchte über teilnehmende Kämpfer, ein Shitstorm und viel zu überspitzte Trailer haben bei den Fans der Super Smash Bros. Reihe nicht nur Hoffnung, Verzweiflung, Panik, Vorfreude und Angstzustände hervorgerufen. Viel mehr hat Nintendo seit Release den unumstrittenen besten Teil der Reihe veröffentlicht. Noch nie gab es so viele Kämpfer, Stages, Items, Gegner, Gameplay und vor allem Smash! Mit diesem Spiel hat die Switch neben The Legend of Zelda – Breath of the Wild, das sehr wahrscheinlich beliebteste Spiel auf der neuen Konsole herausgebracht.

Und ich kann es nicht anders sagen – ich werde noch sehr viel Spaß mit diesem Titel haben. So für die nächsten 10 Jahre ungefähr.

Red Dead Redemption 2

Arthur Morgan © Rockstar Games

Last but not least stelle ich meinen Favoriten für 2018 vor und auch wenn God of War den “The Game Award” verdient gewonnen hat, begründe ich es nur auf der These, dass Red Dead zu spät veröffentlicht wurde und damit unter das Radar der Jury gefallen ist. Denn die schiere Vielfalt der Welt, die Möglichkeiten, Mechaniken, grafischen Darstellungen und die Story ist derart gewaltig, dass ich mich selbst in kleinsten Städten am Treiben der Menschen einfach nicht satt sehen konnte. Bei so viel Inhalt, der in eine der größten Karten der Spielgeschichte von Rockstar Games gesteckt worden ist, möchte man sich gar nicht vorstellen, wie viel Arbeit das gewesen sein muss.

Der Wilde Westen war bisher noch nie so lebendig gewesen und mit so einem starken Titel darf Rockstar Games sich wiederholt als Elite der Spieleentwicklung bezeichnen.

Ein bisschen Gesellschaftskritisches…

…muss auch einmal sein. Daher habe ich mir einen Titel zurückgehalten, der bei vielen Personen regelrechte Wut hervorbringt. Die Rede ist von dem Titel, an dem kein Gamer vorbeikam, ob er wollte oder nicht. Stets musste man mit dem wohl erfolgreichsten Battle-Royale-Titel konfrontiert werden, den es 2018 gab. Ich rede natürlich von Fortnite.

Gegner in Fortnite © Epic Games

Und was ich bisher an Reaktionen über Fortnite mitbekommen habe, hätte deutlicher nicht sein können. Sobald auch nur der Name erwähnt worden ist, haben sich sofort hunderte von Spielern die Fackeln in die Hand gedrückt und gemeinsam das Spiel auf das schlimmste verteufelt. Und jetzt kommt der Knaller – kein einziger Kritikpunkt galt dem Spiel, sondern seiner Spielerschaft.

Doch ich fange ganz von vorne an. Zunächst muss einmal zugestanden werden, dass Epic Games den wohl genialsten PR-Streich der Geschichte gespielt hat. Denn Fortnite hatte zunächst ganz anders angefangen und wurde als Tower-Defense-Shooter-Hybrid-Titel in den Early Access gebracht, um dort Spieler gegen einen Kaufpreis an der Open Beta des Spiels teilnehmen zu lassen. Heute spielt glaube ich kein Mensch das Kernfeature des Spiels mehr, denn neben der Story und den Hauptmechaniken von Fortnite wurde ein Battle Royale Modus zur Verfügung gestellt.

All das war nicht besonders verwunderlich, da viele Spiele auf den Hype-Train der Battle Royale Spiele aufgesprungen sind. Große Beispiele zu dieser Zeit waren H1Z1 und PUBG, die als Spitze des Battle Royale galten. Wieso also konnte Fortnite so erfolgreich werden?

Auf in den Kampf © Epic Games

Zunächst einmal musste eine negative Schlagzeile verarbeitet werden, denn Fortnite hatte zu Release kein Geld zum Kauf des Spiels mehr verlangt. Damit fühlten sich viele Spieler, die seit Early Access dabei waren und Geld bezahlen mussten, vor den Kopf gestoßen. Eine Neuigkeit, die schnell zum Untergang führen konnte aber eine wohl durchdachte PR-Strategie nach sich zog.

Denn gute Battle Royale Spiele waren bisher alle mit einem Kaufpreis versehen. Eine gute, kostenlose Alternative gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und genau das machte sich Epic zunutze und nahm den anfänglichen Shitstorm in Kauf, der sich schnell zu einer guten Werbung entpuppte. Neue Spieler nahmen die Gelegenheit wahr und schnupperten kostenlos in einen zugegeben technisch sehr guten Titel hinein, der ein grundsolides Battle Royale Element vorstellte und zudem noch eine Prise Neuheit mit hinzu gab. Es konnte nämlich in den Runden gebaut werden.

Und so begann es…

Und dann erst platzte förmlich die Bombe. Denn ob beabsichtigt oder nicht, wurden andere große Titel auf den kostenlosen Konkurrenten aufmerksam und tappten in die Falle. Sie alle beschwerten sich in den Medien wirksam über Fortnite. Es hagelte Klagen und böse Kommentare von den Wettbewerbern, wodurch Fortnite die größte Bühne im Battle-Royale-Theater geboten wurde. Einem kostenlosen Spiel, welches sich jeder runterladen konnte. Bevor das Ausmaß dieser Aktionen erfasst werden konnte, mutierte Fortnite quasi über Nacht nicht nur zu einem beliebten Spiel, sondern einem großen Teil der Jugend- Internet- und Spielekultur.

Thanos ist dabei © Epic Games

Jeder konnte dieses Spiel spielen und die  Altersfreigabe ab 12 Jahren hatte dafür gesorgt, dass die größte Zielgruppe an Gamern freien Zugang zu Fortnite hat. Je mehr Ärger, Hype, Lieder, Videos und Kontroversen über dieses Spiel veröffentlicht wurden, desto größer wurde die Reichweite von Fortnite. Und Epic musste keinen einzigen Cent für eigene Werbekampagnen ausgeben – einem Teil der Kosten innerhalb der Entwicklung, der gut und gerne neben Gehältern den größten Teil am Ende ausmacht.

Hetze auf Fortnite wegen jungen Spielern

Somit war Fortnite praktisch nicht mehr aufzuhalten und das größte Spiel 2018 war geboren. Nun kommen wir an einen Punkt, der mich immer mehr erschreckt, denn Fortnite löst bei Spielern Wut und böse Kommentare aus. Dabei gelten die Punkte, die benannt werden nicht einmal für das Spiel selber. Nein, viel mehr wird sich permanent darüber beschwert, dass kleine Kinder dieses Spiel spielen und das aus diesem Grund Fortnite ein schlechtes Spiel ist.

Selten musste ich mir bei solchen Kontroversen so sehr an den Kopf fassen. Ich kann nachvollziehen, dass verschiedene Generationen von Spielern unterschiedlich spielen und ja, auch ich mag nicht gerne mit Jüngeren spielen aber deswegen ein Spiel so dermaßen zu hassen, erschließt sich mir nicht. Es muss dazu gesagt werden, dass ich Fortnite mal ausprobiert habe, es mir aber nicht so gut gefallen hat. Das lag aber nicht an jüngeren Spielern, sondern schlicht am Design des Titels, das mich nun einmal nicht reizt.

Stattdessen reizt Fortnite umso mehr Menschen, die überall ihren Senf hinzugeben müssen, dass wer “über 13 Jahre alt ist und Fortnite spielt, die Kontrolle über sein Leben verloren hat.”

Loot erkämpfen © Epic Games

Beispiele habt ihr vermutlich noch und nöcher in den sozialen Medien gesehen. Und ich finde das nicht gut. Es wirft ein schlechtes Licht auf uns Spieler und zeigt leider nur, dass wir nicht Vorurteilsfrei an gewisse Sachen herangehen. Daher möchte ich besonders zur Weihnachtszeit dem oder der einen oder anderen nahelegen, nicht immer direkt gegen jüngere Generationen zu schießen und alles zu verteufeln, nur weil die Stimme euch gegenüber noch nicht im Stimmbruch ist. Schließlich waren wir alle einmal jung und wir möchten bestimmt nicht wie die unheimlichen alten Leute enden, die zwei Etagen über euch den ganzen Tag grimmig aus dem Fenster starren und jeden auf der Straße anmaulen, die zwei Zentimeter zu nah am Grundstück parken.

Soviel zu meinem Jahresrückblick 2018. Schaut auch einmal bei den anderen vorbei. Bisher haben Doms und Hannes ihren tollen Rückblick veröffentlicht.

Wer zuletzt lacht, hat den höchsten Ping!

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