Das scheiß Kleid ist Gold/Weiß!

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Meine Güte, geht mir das auf den Senkel! Twitter, Facebook… Alles voll mit diesem blöden, gestreiften Kleid. Die Kleidfrage – ein spaltet Internetuser und ganze Nationen: „Ist es nun Gold/Weiß oder ist es Blau/Schwarz“ Oh mein Gott, die Illuminaten! Sie sind in unser aller Rechner??!! Nein! 

ERSTENS: Ist es im Prinzip mal völlig Wurst, welche Farbe jetzt irgend so ein Kleid irgendwo auf der Welt hat! Aber ZWEITENS: Ist das Kleid Gold/Weiß und um das zu erkennen, muss man nur ein bisschen darüber nachdenken, wie das Bild von dem Kleid auf unseren Bildschirm gelangt… Und dafür muss man kein Grafik-Fachmann sein.

Edit: Mich erreichen wiederholt Nachrichten von Leuten, die schreiben „Also ich sehe das Kleid immer noch Blau/Schwarz„. Mir ist völlig Wurst, welche Farbe ihr seht, Hauptsache ihr wisst, dass es Weiß/Gold ist! 😉

Additive Farbmischung (Schema)

Additive Farbmischung (Schema)

Es geht um digitale Fotografie! Und ein digitales Foto wird auf unserem Bildschirm dargestellt, indem Farben additiv zusammengefügt werden. Ihr braucht nicht alles über additive Farbmischung zu wissen, nur so viel: Wenn man entsprechend viel von den drei Grundfarben Rot, Grün, und Blau hinzufügt (addiert), entsteht weiß. Man addiert quasi farbiges Licht und erhält weißes Licht.

Das Gold/Weiße oder Blau/Schwarze Kleid

Gold/Weiß oder Blau/Schwarz?

Und jetzt zum Foto. Wir haben einen Vordergrund (das Kleid) und einen Hintergrund (Gegenlicht). Wie stellt ein Computer extrem helles Licht dar? Er leuchtet weiß, und zwar so weiß wie er nur kann. Das Gegenlicht ist also der weißeste Teil des Bildes, alle Primärfarben zusammengemischt. Wie bildet der Computer jetzt aber einen weißen Gegenstand ab und teilt uns aber gleichzeitig mit, dass dieser Gegenstand weniger hell ist, als das Gegenlicht? Richtig: Er nutzt einen Farbton, der zwar nahezu weiß, aber eben nicht so weiß ist, wie das Gegenlicht. Das Kleid liegt schlicht und ergreifend im Schatten, deshalb ist der Blauanteil hier höher (bzw. der Anteil anderer Farben geringer).

Edit: Der Youtube-Blog AsapSCIENCE hat ein Video herausgebracht, in dem sie für ein Schwarz/Blaues Kleid plädieren. Sie gehen davon aus, dass das Kleid nicht im Schatten liegt, sondern von einer gelblastigen Kunst-Lichtquelle angestrahlt wird. Die Schwarzen Streifen würden angeblich dieses gelbe Licht reflektieren und dadurch goldfarben schimmern. Aber sind wir mal ehrlich… sieht es wirklich so aus, als würde das Kleid von irgend einem Licht angestrahlt?

Im Regelfall erkennt das Auge, dass das Kleid im Schatten liegt und deutet das Weiß korrekt als Weiß. Es wird also im Kopf umgerechnet. Warum genau es hier nicht immer funktioniert, kann ich auch nicht sagen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass sich auch das Gold hier nicht so leicht zu erkennen gibt.

Warum scheint das Gold denn schwarz? Ganz einfach: Ein wesentlicher Anteil des Farbtones „Gold“ ist natürlich Gelb – Nun ist auf dem Bild aber schon z.B. der Fußboden sehr gelb. Im Vergleich dazu wirken(!) die Anteile an Gelb im Gold des Kleides auf das Auge nicht mehr so intensiv. Der Goldton ist eher dunkel. In Kombination ist das für das Auge sogar noch gemeiner als das häufiger gesehene, bläuliche Weiß allein. Alles optische Täuschung, Kinder.

Die tatsächliche dargestellten Farben auf dem Foto sin Blau und Gold.

Immer noch nicht zufrieden? Jagd man das ganze durch ein Bildbearbeitungsprogramm wird einem noch mehr klar. Wenn man die  Farben mit der Pipette aus dem Bild aufnimmt, erhält man bei den hellen (weißen) Streifen einen Farbton zwischen Grau-Blau und Weiß. Die dargestellte Farbe ist also tatsächlich gewissermaßen blau! Ähnlich mit dem Gold, wie schon angemerkt. Der aufgenommene Farbton ist eher dunkelbraun bzw. eben ein dunkles Gold. Die tatsächlichen Farben, die das digitale Bild zeigt, sind also eigentlich Blau und Gold. Dass ein digitales Handyfoto aber nicht immer 1:1 darstellt, was wir mit bloßem Auge sehen würden, ist natürlich kein Geheimnis und auch live vor Ort ist Weiß eben nicht immer gleich Weiß. Das Hängt davon ab, wie warm (gelblastig) oder kalt (blaulastig) das Licht ist. Googled mal nach weißen Kleidern und guckt, wie weiß die immer so sind! Höchstens so weiß wie meine Weste – und da garantiere ich für nix!

Wenn man einen gängigen Farbfilter zum Aufhellen von Fotos anwendet, wird übrigens auch den letzten Zweiflern die Entscheidung etwas leichter fallen. Check das aus:

Das blau weiße Kleid

Links: Original, Mitte: Nachbelichtet (Fotofilter), Rechts: Freigestellt ohne Filter

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen weiterhelfen. Ich bin wirklich auch kein Profi und alles, was ich hier benutzt habe ist mein Gesunder Menschenverstand und ein bisschen digitale Bildbearbeitung. Wenn ich irgendwo daneben lag möge man mich korrigieren, ansonsten freue ich mich natürlich über jegliche Anmerkung von Profis. Ich hab mich jedenfalls hier prima abregen können, danke dafür! 🙂

Ihr wollt mehr Web-Hypes analysiert? Checkt alle Fakten und Hintergründe zum viralen Hit „Mein Bizeps Brennt“ in meinem Artikel dazu!

PS: Das ist übrigens alles, wie mit dem Mond. Der scheint uns manchmal auch größer, obwohl er immer den gleichen Abstand zu uns hat… Hier lautet das Stichwort: Perspektive – aber das ist eine ganz andere Story!

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