Doctor Who: Der Mut zum Abschied

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Der Tod eines Hauptcharakters gehört zu den einschneidendsten Dingen, die in einer Serie passieren können. Nicht nur beeinflusst es den Fortlauf der Handlung sondern auch das zukünftige Verhalten der anderen Figuren. Bei Doctor Who ist das Ganze etwas komplizierter. Da der Doctor selbst, als regenerierender Time Lord, nicht wirklich sterben kann, müssen dafür seine Begleiter herhalten. Wir Zuschauer und der Doctor sind mal mehr und mal weniger emotional davon betroffen, wenn ein Companion plötzlich die Tardis verlässt oder sogar das Zeitliche segnet. Im Gegensatz zum klassischen Doctor Who, ist jedoch in der neuen Serie seit 2005, der Mut zum endgültigen Abschied ohne ein Happy End verloren gegangen.

Verließ damals in Classic Who ein Companion die Tardis oder starb sogar, war dessen Ausscheiden meist eine beschlossene Sache. Kein dramaturgisches wenn und aber. Eine Melanie Bush, die halt einfach keine Lust mehr auf die Reisen in der Tardis hatte, war endgültig verschwunden. Ein Adric blieb nach seinem tragischen Ableben endgültig tot. Der Zuschauer konnte sich ziemlich sicher sein, dass er den Charakter nicht mehr wieder sehen würde und ebenso, wie der Doctor voranschreiten und nicht zurückblicken.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Natürlich finden sich auch zur Zeit von Classic Who einige Begleiter, deren freiwilliges Ausscheiden aus der Tardis, nicht das Ende für die Geschichte der Figur bedeutete. Beispiele hierfür sind die Begleiterinnen des vierten Doctors Leela und Romana, die nach ihren jeweiligen Abschieden vom Doctor weiterhin Zentrale Rollen in Gallifrey einnahmen (zu hören in den Big Finish Audio Dramas). Auch gibt es zudem Audio Dramas in denen wir weitere Abenteuer aus ihrer Zeit mit dem Doctor an Bord der Tardis hören können. Nichtsdestotrotz war ihr Ausscheiden in der TV-Serie damals permanent.

Ähnlich verhält es sich mit Sarah Jane Smith, die nachdem der vierte Doctor sie auf der Erde zurück ließ, mal abgesehen von den Specials, erst im modernen Doctor Who wieder auftauchte und kurze Zeit später sogar ihre eigene Spin-Off Serie bekam. Doch auch ihr Abschied aus der Tardis war aus damaliger Sicht endgültig.

Ein weiterer seltener Fall in Classic Who war zudem die Begleiterin des fünften Doctors Tegan, die nach ihrem Abschied aus der Tardis am Ende der 19. Staffel dann doch zu Beginn der nächsten 20. Staffel zurückkehrte.

Ein paar Beispiele aus Modern Doctor Who

Rose Tyler (© BBC)Rose Tyler wird tragisch vom Doctor getrennt, da sie in einem unerreichbaren Paralleluniversum landet. Es gibt eine total traurige Abschiedsszene am Strand. Nur damit sie zwei Staffeln später durch Universen hüpfend doch wieder auftaucht um Donna zu helfen.


Martha Jones verlässt überraschend die Tardis, darüber enttäuscht, dass der Doctor nicht mehr von ihr will. Nur um wenige Episoden später doch wieder sinnfrei als UNIT Angestellte aufzutauchen.

 

Der Abschied von Donna Noble war besonders traurig, da der Doctor alle Erinnerungen an sich und ihre gemeinsamen Abenteuer aus ihrem Gedächtnis löschen musste. Er hatte nicht einmal die Gelegenheit sich richtig von ihr zu verabschieden. Wenige Episoden später beobachtet er sie jedoch entspannt von weitem in der Stadt.


Clara Oswin Oswald wird mit der Zeit mehr und mehr risikofreudig, wie der Doctor. Dies führt letztendlich zu ihrem selbstverschuldeten tragischen Tod durch den Raben. Nur damit der Doctor sie in der übernächsten Episode auf Gallifrey vor ihrem Tod aus ihrer Timeline ziehen kann.
Allerdings selbst da endet es nicht. Clara wird traurigerweise völlig aus dem Gedächtnis des Doctors gelöscht, was auch ein schöner Schlussstrich gewesen wäre. Würde er nicht am Ende vom neuesten Weihnachtsspecial Twice Upon a Time von den Testimony ganz stumpf  all seine Erinnerungen an sie zurück bekommen.


Selbst River Songs erster Auftritt in der Bibliothek sollte zugleich ihr finaler Auftritt sein. Sie stirbt und wird in letzter Sekunde vom Doctor in den Computer der Bibliothek hochgeladen. Dies verliert jedoch jegliche Bedeutung, als sie später in der Episode The Name of the Doctor als quasi unsichtbares Hologram weiter um den Doctor herumgeistert. Was für mich wiederum die Frage aufwirft, warum sie in dieser Form nicht weiter mit in der Tardis reisen kann.

Der einzige wirklich endgültige Abschied in New Who war wohl die finale Episode von Amy und Rory, die nach ihrer äußerst traurigen letzten Szene wirklich gar nicht mehr aufgetreten sind. Mal abgesehen von der Amy-Halluzination bei Elevens Regeneration.

Der Doctor hasst Enden

Wenn es in der Serie wieder und wieder heisst “Der Doctor hasst Enden”, dann ist das einerseits eine recht schwachsinnige Aussage, da wohl so ziemlich jeder Mensch es hasst sich von etwas oder jemandem zu verabschieden. Andererseits scheint dies im Fall des Doctors erst seit New Who der Fall zu sein, hat er doch in Classic Who kein Problem damit jemanden einfach zurück zu lassen.
“Der Doctor hasst Enden” wirkt mittlerweile fast, wie eine Ausrede der modernen Showrunner sich keine neuen Figuren ausdenken zu müssen, sondern einfach Bekannte zurück zu holen. Wie viel mehr tolle vielseitige Geschichten man bloß erzählen könnte, wenn sich die Episoden weniger um die Begleiter an sich, ihre privaten Problemchen und ihre Beziehung zum Doctor drehen würden.

Happy End

Wenn die Autoren von Doctor Who sich ein Happy End für einen der Begleiter wünschen, sollten sie dieses doch auch gleich bei der eigentlichen Verabschiedung des Charakters in die Geschichte einbauen. Die Abschiede der Figuren jedoch immer möglichst tragisch zu gestalten und extra auf die Tränendrüse zu drücken, nur um dann kurze Zeit später das ganze mit einem weiteren Auftritt der Figur doch wieder zu revidieren, wirkt auf Dauer fast schon billig. Warum sollte man irgendwann der Serie noch die Verabschiedung eines Charakters glauben?

Verwöhnte Zuschauer

So ist es mittlerweile auch nicht mehr verwunderlich, dass viele Neu-Whovians scheinbar nicht mehr in der Lage sind loszulassen. Sie wurden zu sehr von den Autoren mit dem wieder Auftauchen von Charakteren verwöhnt, dass sie immer weiter hoffen eine Rose, Donna oder Clara möge doch bitte wieder in der Serie auftreten.
Man liest sogar immer wieder die Forderung, der Doctor solle doch bitte wieder zu David Tennant oder Matt Smith regenerieren. (Wo ich persönlich immer, wenn ich das lese, fast das Kotzen kriege.)

So kann man sich in der Zukunft von Doctor Who nur wieder mehr Mut für die Autoren wünschen. Mehr Mut einen Abschied auch wirklich einen Abschied sein zu lassen.

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